Winfried Burr und Siegfried Klaiber im Fachsenfelder Schloss

Vom Blues ist man einiges gewöhnt, von Blues-Musikern nicht minder. Doch die Beiden, die auf der kleinen Bühne im Fachsenfelder Schloss zusammen musizieren, haben überraschenderweise so gar nichts mit dem Image der Blues-Brothers zu tun. Weder schwarze Anzüge, noch Sonnenbrillen und schon gar keine Hüte. Auch sind sie nicht wie Chris und Geoff Dahl unterwegs in Gottes Mission. Einer erdigen allerdings schon, die aber ungewöhnlich konzertant in delikate, teils kammermusikalisch erhöhte Arrangements eingebettet daherkommt. Und die viel Raum für intuitive und durchaus elegante Improvisationen bietet. Die Rede ist von "Burr & Klaiber", dem großartigen Duo, dessen Musik keiner Worte bedürfe, da sie genügend Poesie besitze, wie kein geringerer als Hans Dieter Hüsch einst urteilte.

Was Winfried Burr und Siegfried Klaiber in der Schlossgalerie an diesem Sonntagabend inszenieren, fällt tatsächlich auch aus dem Rahmen. Nicht der so schön schleppenden Südstaaten-Harmonien wegen, die sich so gut im heißen Blues machen, sondern weil die Beiden es verstehen über die drei Akkorde des bluesigen Zwölftonsystem hinauszuspielen. Ihre Musik bleibt nicht bei den bewährten Tradition, mögen diese noch so brillant klingen. Greift Klaiber in die Saiten der Gitarre entfaltet sich volltönend der Rhythmus, bei dem Blues-Fans einfach mit müssen, der allerdings musikalische Hoffnungen weckt, die schlicht nicht erfüllt werden. Schließlich sitzen Burr und Klaiber auf der Bühne und die haben kein Repertoire zum herunterspulen. Ihre Musik ist nicht so leicht greifbar, da sie sich im Spiel fortentwickelt von jedweder Vorgaben, weil sie eben aus Spiellust heraus geboren wird.

Eine, zugegebenermaßen, laute, dichte, dynamische Musik, die des Duos Vorgabe Blues mit der ganzen Seele zu spielen zu wollen bewahrheitet. Es gibt keine schnell schnell, die Arrangements erweisen sich als weitläufig. Schönes Beispiel ist John Lennons „Imagine“, ein freischwebendes Epos, voll kammermusikalischer Nuancen.  

Burr und Klaiber lassen expressive Gefühlswelten entstehen, schaffen innere Bilder - mal heitere, mal  schwermütige, aber immer fantasiereiche, gekleidet in für den Blues typische Melodien. Das unterscheidet sie von anderen Musikern. Auch weil sie sich darauf verstehen Wort und Klang den Inhalten ihrem Blues anzupassen,

bei Bedarf die fiebrigen Südstaaten in ihrer Lethargie und Aggression spürbar werden zu lassen. Je stärker sich die Arrangements dem Original annähern, um  so feinsinniger, verschnörkelter und facettenreicher zeigen sich die Improvisationen. Elegisch und romantisch, folkig und rockig  entwickeln sich kraftvolle Rhythmen und melancholische Harmonien, immer mit einer unüberhörbaren Reminiszenz an vergangene Zeiten, ohne aber die Gegenwart zu verlassen.

Ein satter Raumklang, pulsierende Rhythmen, verblüffende Wendungen - höchst abwechslungsreich. Ganz zu schweigen von den großen Hits, die Burr und Klaiber wie

Delikatessen in ihr Repertoire holen. Ein wohliges  "Ain't No Sunshine" beispielsweise. Oder wie wäre es mit dem alten  "Blood, Sweat & Tears"-Hit "Spinning Wheel", einschließlich eines bemerkenswerten Gitarrensolos.  Oder - das Lied überrascht bei solch einer Blues -Session wirklich - der Schmachtfetzen der Nilsen-Brothers "Aber Dich gibt es nur einmal für mich". Einschließlich dem langgezogenen "Oouuuhhhoouuhh". Da kommt zwangsläufig Lust und Leid aller Liebenden zum Tragen. Klaiber formt mit sonoriger Stimme und Bassgitarre daraus gar den Schmerz des amerikanischen Südens und die dem Blues anhaftende Melancholie. Weit entfernt von Selbstmitleid, wie Burr mit seinem Violineinsatz klarstellt. Sein Solo klingt vielmehr wie Zorn, klagt an.

Das kann nur in "Summertime" münden, dem bluesigen Nonplusultra aller  "livin' is easy"-Songs. Aber nicht der alleinige Topseller des "Burr & Klaiber"-Konzerts, wie Jimi Hendrixs "Hey Joe" belegt, bei die Violine dem legendären Gitarrensound folgt, um zugleich im Duett sinfonische Wege einzuschlagen. Darf´s noch etwas mehr sein? Bei Burr und Klaiber immer. Petula Clarks "Downtown" machen sie zum bluesig-rockigen Hymne mit unüberhörbarem Sehnsuchtspotential und und und. Die Beiden sind eine Never-ending-Story. Das gefällt dem Publikum, das die Künstler auch spät in der Nacht nicht von der Bühne gehen lassen möchte.

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Aalener Kulturjournal