Herbstzeit bei "Natura e Figura" im Fachsenfelder Schloss 

 „Die Natur allein ist unendlich reich, und sie allein bildet den großen Künstler." 

Auch wenn manch ein Kunstfreund beim Anblick des Hirschgeweihs (vielleicht) die Nase rümpft, sei ihm dennoch aufs Dringlichste ein zweiter Blick empfohlen. Nicht nur weil der dazugehörige Hirschkopf von geübter Schnitzkunst zeugt, während das Geweih Natur pur ist, sondern weil das Ausstellungsthema "Natura e Figura" mit dieser Jagdtrophäe nicht besser hätte getroffen werden können. Blattschuss sozusagen,  ist doch bei diesem guten Stück der Kopf aufwändig wie meisterlich aus Holz geschnitzt, während das Geweih selbst pure Natur ist. Zugleich stellt dieses unübersehbare Miteinander von Natur und Kunst den roten Faden der Fachsenfelder Sommerausstellung dar. 

Er zieht sich durch unterschiedlichste Genres und Zeiten. Wie sich das Verhältnis des Menschen zu Natur und Figur im Laufe der Jahrhunderte verändere und wie sich der Zugriff des Menschen im Hinblick auf die beiden Bereiche gestalte, seien die wesentlichen Fragen, die den Besuchern vor Augen geführt und mit trefflichen Exponaten auch beantwortet würden, beschreibt Hermann Schludi, einer der Verantwortlichen der Natura-e-Figura-Ausstellung. Er holt sich Goethe zur Unterstützung: „Die Natur allein ist unendlich reich, und sie allein bildet den großen Künstler." 

Dass die Natur Emotionen in uns weckt, ist eine alte, wenn auch in zunehmendem Maße verdrängte Weisheit. Trotz aller Glücksmomente, die sie erzeugen kann, aber auch ihrer bisweilen zerstörerischen Urgewalt wegen.

Bei vielen zeigt sich ein gespaltenes Verhältnis zur Natur, galt sie doch  als „Feind“ des Menschen - angsteinflößend gefährlich, bedrohlich. Andere neigen hingegen zur Verklärung, sehen in ihr gerne  ein Vorbild für Ästhetik und Harmonie. 

Von Schmetterlingen, Wildenten und künstlerische Abenteuer

"Die Natur steht deshalb nicht nur dem Wortsinn nach im Widerspruch zum Figürlichen, zur Figur, die das vom Menschen Geschaffene repräsentiert", so Schludi. Die Figur sei als Phänomen nicht weniger faszinierend, spiegele sie doch über die Jahrhunderte die kulturell-künstlerischen Ansätze und Gestaltungsmittel, mit denen der Mensch das Vorbild der Natur in der Gestalt von figurativen Abbildern sammle, abbilde, kategorisiere, be- und verarbeite, darstelle, imitiere und verfremde. Die Figur als Triumph über die Natur! In diesem Sinne darf die Jagdtrophäe betrachtet werden.  

Die Ausstellung führt alle diese Facetten zu einem multiplen Gesamtkunstwerk zusammen, in dem sich Zeichnungen, Malereien, Plastiken und Skulpturen aus den letzten vier Jahrhunderten mit Figürlichem aus der Porzellan- und Fayencesammlung zeigt. Kleinplastiken, Schmetterlinge, ausgestopfte Enten, Vögel und andere Naturrelikte sind zu sehen. Natur und Figur stehen sich dabei immer wieder gegenüber: Der Blick auf den Seerosenteich im Park, das Gemälde mit gleichem Sujet.   

Cervia lässt grüßen

Hinzu kommt noch zeitgenössischer Kunst aus Aalens Partnerstadt Cervia. Die vier italienischen Künstler Paola Campidelli, Giovanni Fabbri, Marisa Zattini und Fulvio Penso präsentieren ihre Arbeiten im Zusammenklang mit den überlieferten Artefakten und dem historischen Ambiente.

"Diese Ausstellung mit einer einzigartigen Kombination aus Geschichte und Gegenwart zeigt, wie sich die figurativen Gestaltungsansätze im Laufe der Jahrhunderte und der Traditionen verändern und in zündende und überraschende Natur- und Figurerlebnisse münden", versichert Hermann Schludi, der einen Ausstellungsbesuch mit einem Zitat Paul Klees empfiehlt: "Bewahre deine Liebe zur Natur, denn das ist der richtige Weg zu immer besserem Kunstverständnis."

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Aalener Kulturjournal