"Sternenpicknick für Mondfahrer" im Fachsenfelder Schlosspark

Ein Abend ohne Mondscheinsonate

Die Abendsonne taucht die Wiese im Fachsenfelder Schlosspark in warmes Licht. Der Mond, Sehnsuchtsort seit Menschengedenken, grüßt bereits aus der Ferne. Zaghaft lickt er herab auf die Sternenpicknicker, die ihm zu diesem Zeitpunkt noch wenig Aufmerksamkeit schenken.  Zumal es Wichtigeres gibt, Baguette, Käse und Rotwein locken mehr. Ein sommerliches Picknick ebnen. Dazu Musik vom Duo "Botscheck  & Giebel".

Rhythmisches Hintergrundrauschen, angenehm zum Lauschen und Einstimmen auf eine kurzweilige Mondnacht. "Fly me to the Moon" erklingt, während im benachbarten  Planetarium Jung und Alt zur Odyssee ins Weltall aufbrechen. Kein Stanley Kubrick, mehr Wissenschaft, die auf der Wiese auch in die Praxis umgesetzt werden kann, warten doch dort Teleskope auf neugierige Mondsucher. Ein schönes Ziel, auch wenn ihn nicht jeder durch das optische Instrument gleich findet.

Apropos Sehnsucht, eigentlich gilt im Fachsenfelder Schlösschen die alte Weisheit "Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah". Wer im Schloss und Park bereits einmal lustwandeln durfte, weiß darum. Manche lieben indes den Blick zum 350000 Kilometer entfernten Trabanten. Ein bisschen zu profan? Romantiker kommen beim "Sternenpicknick" erst mit Einbruch der Dunkelheit auf ihre Kosten. Der Mond färbt sich leicht ocker, beginnt zu strahlen, Sterne funkeln und bei völliger Dunkelheit leuchtet die Milchstraße am Firmament. "Weißt Du, wie viel Sternlein stehen?" - die überlieferte Volksweise kommt in den Sinn. Auch die "Mondnacht" von Joseph von Eichendorff: "Es war, als hätt der Himmel / die Erde still geküsst, / dass sie im Blütenschimmer / von ihm nun träumen müsst." Schöner und artifizieller beschreibt niemand die Sehnsucht des lyrische Ichs nach der Harmonie von Himmel und Erde.

Die Musiker haben ihre Instrumente längst weggepackt, der letzte Film "Le Voyage dans la Lune" nahm nochmals mit auf die Reise, dann wird es still. Leises Flüstern nur. "Guter Mond, du gehst so stille" - das Lied drückt mit schlichten Worten aus, was die romantische Gefühlswelt mit dem vielbesungenen „Wanderer am Himmel“ verbindet. Das hat rein gar nichts mit dem zu tun, was einst Ingenieuren in Ost und West mit Nositjel- und Saturnraketen im Kopf herumschwebte. Glücklicherweise blieb der Mond für die meisten Menschen der heimliche Trostspender, der Lebensbegleiter, das Symbol für Ruhe und Unbeirrbarkeit. Schon Franz Schuberts nahm in seinen zahlreichen Mondliedern diese Intention auf. Unvergesslich im "Wanderer an den Mond": "Ich auf der Erd‘, im Himmel du, wir wandern beide rüstig zu."

Das Sternenpicknick endet jedenfalls in dunkler Nacht, ohne dass auch nur ein einziger Mondsucher den Park verlassen musste, um dem Mann im Mond oder Frau Luna zu begegnen. Schuld daran ist vielleicht Ottfried Preußler, schließlich hat der Schriftsteller in seinem letzten Buch den einzigen Sitzplatz in der Mondrakete für den Räuber Hotzenplotz reserviert. Wer will schon mit solch einem Gesellen auf große Fahrt gehen. 

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Aalener Kulturjournal