"Nostalphoniker" erinnern auf Schloss Kapfenburg an "Comedian Harmonists"

  Ganz und gar nicht lustig

Die "Nostalphoniker" erinnerten auf der Kapfenburg an die legendären "Comedian Harmonists". Doch nicht nur deren auch heute noch sich unvermeidlich einistenden musikalischen Ohrwürmer standen im Mittelpunkt, sondern ebenso die unvergleichliche Erfolgsgeschichte des Ensembles und das von den Nazis ausgesprochene Berufs- und  Auftrittsverbot, wegen dreier Sänger, die dem jüdischen Glauben angehören.

Das Publikum fühlt sich sofort ganz nahe bei den "Comedian Harmonists". Schließt man bei "Veronika, der Lenz ist da", dem melodischen Eröffnungslied der "Nostalphoniker", die Augen, scheint die Zeit zurückgedreht. Es ist März, das Jahr 1934 hat gerade begonnen. Für das erfolgsverwöhnten Männer-Sextett wird es das letzte Jahr sein, in dem es gemeinsam auf der Bühne steht. Eigentlich müssten von der Bühne her die eher melancholischen Lieder klingen. Doch "Veronika, der Lenz ist da", das süffisant vorgetragene Spargellied macht den Anfang.

Die fünf Sänger und Pianist Jan Golch verzichten darauf, den Gesang in Originalversion von vor fast 100 Jahren zu covern. Sie lehnen sich zwar stark, auch in Kleidung, Mimik und Choreografie, eng an die "Comedian Harmonists" der 1920er und 1930er Jahre an, doch trällern sie so fein "Mein lieber Schatz, bist du aus Spanien? In deinen Küssen brennt die Sonne von Spanien, deine Augen sind wie Kastanien", dann klingt es doch irgendwie modern, zumindest dem 20. Jahrhundert enthoben. Im Gegensatz zum - bei Franz Schubert entlehnten -  kleinen Ständchen. Da dürfen Nostalgiker dem traditionellen Liedgesang lauschen.

Um das Lob bereits hier zu erwähnen, so schöne Stimmen wie die von Marko Cilic (Tenor I), Marc Megele (Tenor II), Peter Cismarescu (Bariton/Tenor III), Andreas Burkhart (Bariton) und Markus Scharpf (Bass) hört man derzeit eher selten. Zumal sich die Fünf blendend darauf verstehen, sich abzustimmen.

Dennoch wäre es ein Abend unter vielen, brächte das historisch-dokumentarischen Konzertprogramm nicht nur bekannte und weniger bekannte Klassiker des legendären Ensembles zu Gehör. Gleichwertig thematisieren die "Nostalphoniker" wie ihre Kunst durch die Nazis bedrängt und schließlich verboten wird.  Schwerpunkt dabei waren die Ereignisse des Jahres 1934, als viele dem neuen Zeitgeist huldigten oder bereits in die innere Emigration gegangen waren. Die Musikdirektion Gensberger wagte nochmals eine Wiederauflage der "Comidian Harmonists"-Tournee durch Bayern unter dem Titel „Die Comedian Harmonists singen“. Der Briefwechsel zwischen Gensberger und den Sängern belegen, welche große Schwierigkeiten und unmittelbare Repressalien die letzten Konzerte begleiteten.

Schikanen durch kleine und große Funktionäre des NS-Regimes

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Aalener Kulturjournal