"Wildes Holz" wuchert in Essingens Schloss-Scheune

Wild schon, aber astrein!

Jeder kennt die unvermeidlichen Höhen und Tiefen des Lebens. Musiker sind davon nicht ausgenommen, allerdings wandeln nur wenige das Auf und Ab in so exzellent unterhaltsame wie  humorige Melodien um wie das Trio "Wildes Holz". Von deren Namen sollte man sich nicht täuschen lassen, auch wenn Kontrabassist Markus Conrad - vorsichtig ausgedrückt - sich äußerlich ein wenig Rasputin annähert. Das einzig Wilde, von der Musik abgesehen. Denn die gibt sich anders. Kein landläufiger R & B, kein Techno und kein kakophoner Jazz. Viel eher Musik zum Zuhören, manchmal in erstaunlichen Tempi vorgetragen, aber immer mit jener Prise dezenter Zurückhaltung, die einem Samstagabend den kontemplativen Spaß belässt. 

 

Im Gänsemarsch kommen Tobias Reisige (Blockflöte), Djamel Laroussi (Gitarre) und Markus Conrad auf die Bühne der Essinger Schlossscheune. Die Kulturinitiative hat das Trio eingeladen, damit schwingende Rhythmen das wenig frühlingshafte Aprilwetter vergessen machen. Doch nicht nur Swing erklingt, mit im Repertoire haben die Drei eine musikalische Auswahl an Liedern, die man irgendwie kennt, die aber wohltuend anders klingen. Klassische Hochkultur, Jazz oder poppige Tiefebene. Sozusagen vom altbewährten Menuett und zu den Hits der 1980er Jahre und ein bisschen darüber hinaus. "Wildes Holz" wildert quer durch die Genres. Wer bis dato sich sicher war, Blockflöte sei bestenfalls etwas für die Musikschule, den belehrt Tobias Reisige höchst musikalisch eines Besseren. Nicht mit einer, gleich mit einem guten Dutzend Blockflöten, von der Piccolo bis hin zur Bassflöte. Alles problemlos, alles ohne elektronische Verstärkung, abgesehen von einer Loop-Nummer, bei der Technik aus dem Flötensolisten ein Flötenorchester formt. Vor allem verstehen sich die Drei darauf, nicht nur Alte und Neue Musik prächtig zu covern, sondern auch die Musik fremder Kulturen mit einzuflechten, wie insbesondere Djamel Laroussis afrikanisch angehauchtes Gitarrenspiel immer wieder belegt. Das klingt verblüffend virtuos, verspielt und anspruchsvoll.

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Aalener Kulturjournal