Traditionelles Dreikönigskonzert der SHW-Bergkapelle

Wenn aus Helden Melodien werden

Musik über Caspar, Melchior und Balthasar? Die Frage erübrigt sich rasch, denn der Choral zum Auftakt dient den Musikern lediglich als Fingerübung, sozusagen zum Aufwärmen. Dicht gedrängt sitzen sie an diesem Abend im Proberaum der SHW-Bergkapelle pusten und prusten in die Blasinstrumente, während die Percussionsgruppe den Rhythmus vorgibt. Leger geht es zu, man plaudert, diskutiert über die Themen des Tages oder schraubt schlicht am Instrument herum. Bis Dirigent Günter Martin Korst das Pult erklimmt, den Dirigentenstab hebt und zur Konzentration auffordert. Mucksmäuschenstill wird es. Er sei ganz schön streng, verrät jemand noch rasch, bevor der Chef den Probeabend offiziell einläutet: "Wir beginnen mit dem `Ungarischen Marsch´."

Ungarns inoffizielle Nationalhymne, die Hector Berliozs eigentlich für seine Oper „Fausts Verdammnis“ geschrieben hat, erklingt lautstark. Ebenfalls inoffiziell macht die Musik auch als Rákóczi-Marsch die Runde, ein altes Klagelied über das Unglück der Magyaren und die Unterdrückung durch die Habsburger. Des Volkes Retter sollte Franz II. Rákóczi (1676–1735) werden. Die Geschichte wollte es aber anders, die Musik blieb glücklicherweise bis heute bestehen.

Apropos Retter. Helden sind das Thema der Bergkapelle beim bevorstehenden Dreikönigskonzert, auch wenn Berthold Brechts berühmt gewordener Satz „Traurig das Land, das Helden braucht!“ weiterhin Gültigkeit hat. Kein Problem für die SHW-Bergkapelle, hat sie doch ganz anderes vor. Den Musikern und ihrem Dirigenten geht es um ganz spezielle Helden des Alltags. Zu denen gehört überraschenderweise auch die Bassposaune. Der Komponist Steven Verhelst griff für das eher „unscheinbare“ Instrument zur Feder, um ein

entsprechendes Heldenepos im dunklen Timbre zu komponieren. Achim Domhan wird es beim Konzert als Solist vortragen. Wie gesagt, die Zeiten wandeln sich und mit ihr die Helden. Da kommt nichts Martialisches mehr auf, selbst der „Ungarische Marsch“ beschreibt zunächst musikalisch nur den im Gras einer Wiese vor sich hinträumenden Doktor Faustus. Kein Ton von Preußens Gloria also. 
Rund 80 Bergkapellen-Musiker werden den Doktor am 6. Januar zum traditionellen "Dreikönigskonzert" auf musikalisch-ungarische Weise aus dem Schlaf erwachen lassen. Der nachfolgende Sprung zu Rosa Parks ist indes ansehnlich. 1955 wurde die Bürgerrechtlerin in Alabama verhaftet, weil sie sich als Afroamerikanerin geweigert hatte, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen. Der amerikanische Komponist Mark Camphouse nahm sich der Lebensgeschichte dieser unversehens zur Widerstandskämpferin erkorenen Frau an und schuf eine bemerkenswerte Tondichtung, in der unter anderem solch populäre Melodien wie "We shall overcome" auftauchen.

Das Heldenthema solle von seiner unterhaltenden Seite beleuchtet werden, sagt der Dirigent und meint damit weniger die inhaltliche als vielmehr die musikalische. Da bieten sich Kompositionen in Hülle und Fülle an. Bei seiner Suche nach geeigneten Stücken, habe er vor allem darauf geachtet, dass diese klanglich harmonieren, aber dennoch jedes für sich wirken könne. Entstanden sei so ein facettenreiches Potpourri höchst unterschiedlicher Melodien, mal getragen, mal vergnüglich, auf alle Fälle hörenswert, pflichtet SHW-Bergkapellen-Vorstand Eugen Krämer bei.

Helden – da gehört selbstverständlich und unvermeidlich James Bond dazu, glücklicherweise nur ein fiktiver Heros, der jedoch von genialer Filmmusik, die sicherlich (fast) jeder vor sich hinsummen kann, umgeben ist. Wesensfreundlicher und für alle Junggebliebenen hingegen: Die Erinnerung an „The Wind in the Willows“. Die teils merkwürdigen aber umso humorvolleren Abenteuer einer Ratte, eines Maulwurfs und eines Kröterichs in Kenneth Grahames Kinderbuchklassiker "Der Wind in den Weiden".

Gute Tradition bei der Bergkapelle: Das Jugendorchester hat innerhalb des Konzerts einen eigenständigen Auftritt. Der Nachwuchs wird sich heuer um „Adebars Reisen“ – fast eine multikulturelle sinfonische Dichtung von Markus Götz – kümmern und um den „Greatest Showman“, einem modernen Potpourri hinreißender Musicalmelodien. 

Zum Schlussakkord wird nochmals das Aktive Orchester auf die Bühne kommen. Die Noten zur Hand gibt ihm diesmal der Papst aller Blasorchester: Alfred Reed. Dessen „Curtain up!“ stellt die musikalischen Helden des Broadways vor, vom Latin Waltz über lyrische Romantik bis hin zu Jazz und Rock. Passender Schlusspunkt: „Danzas Cubanas“ (Robert Sheldon). Da dürfen im Stillen bei Mamba, Conga und Salsa die Hüften bewegt werden.

Aber was heißt bei der SHW-Bergkapelle schon Schlusspunkt? Natürlich habe man eine Zugabe eingeplant, verspricht der Dirigent. Nur verraten will er nichts. Nur so viel, das „Steigerlied“ wird auf jeden Fall dabei sein. Ein Muss angesichts der Wasseralfinger Bergbautradition, meint Günter Martin Korst. Er weiß, von was er spricht, schließlich entstammt er dem Ruhrgebiet. „Das `Steigerlied´ ist für uns das Gleiche wie der Radetzky-Marsch für Wien. Da bleibt nur noch `Glück auf!´ für das Dreikönigskonzert zu wünschen!

 

INFO

SHW-Bergkapelle

Dreikönigskonzert

Stadthalle Aalen

6, Januar (15 Uhr)

Eintritt frei

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Aalener Kulturjournal