Sierra Hull & Ethan Jodziewicz

Bluegrass goes Jazz

(HK) So recht weiß keiner, wer an diesem Abend auf die Bühne im Hof des Wasseralfinger Schlosses steht. Angekündigt ist Bluegrass, die aus den Bergen von Tennessee und Kentucky stammende Folkmusik. Sierra Hull, die Musikerin, überrascht, denn die Mitzwanzigerin tritt nicht wie eine Country-Sängerin in Westernjacke und Hut vor ihr Publikum. Nicht als ewig lächelndes Cowgirl. Am Mikrofon steht vielmehr eine nachdenkliche junge Frau, die  bemerkenswert virtuos Mandoline wie Mandola spielt und auch noch auffallend lyrische Lieder singt.

Bei der Begrüßung betont Joachim Wagenblast, man werde von Sierra Hulls Musik überrascht sein, neige doch diese mehr zum kammermusikalischen Ausdruck. Und zu einem höchst jazzigen, sei angemerkt. "Das ist etwas für Leute mit Geschmack", setzt  Wasseralfingens Kulturmacher nach. Recht hat er. Denn bereits mit den ersten Akkorden wird klar, die typische Musik der ländlich geprägten Südstaaten mit ihren anglo-keltischen Wurzeln, die innerhalb der Country Music als „Bluegrass“ einen eigenen Stellenwert entwickelten, klingt hier eher wie europäische Klassik. Vor allem durch die Streicherklänge des Kontrabassisten Ethan Jodziewicz, aber auch Hulls Spielweise auf der legendären Gibson F-Mandoline wegen.  

Die Lieder beim Wasseralfinger Konzert stammen überwiegend aus der CD "Black River", in der sie einen Blick auf sich, ihre Musik und die Zukunft wirft. In eigenwilliger Poesie zelebriert sie Visionen eines schwarzen Flusses, der vor ihrem inneren Auge vorbeifließe; tausend Jahre seien wie ein Tag, doch sie werde noch tausend benötigen, um den eigenen Weg zu finden. Mit sich stetig wiederholenden, filigranen musikalische Strukturen gestaltet Hull ihre gefühlvollen Lieder vom Stranden an unbekannten Ufern, der Macht der Gefühle, vom dem Wunsch, ein guter Mensch zu sein. An diesem Abend eine inspirierende Vorstellung.

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Aalener Kulturjournal