Sinfonietta Oberkochen-Königsbronn lädt zur Sommerserenade  

Familie Bach lässt grüßen

(AK) Eine Sommerserenade wie aus dem Bilderbuch: Laue Temperaturen, beschwingte Musik, ein spielfreudiges Orchester und gut gelaunte Zuhörer. In Sachen Musik muss freilich vorweggenommen werden, der Kompositeur der nachfolgenden meisterlichen Töne war kein Geringerer als Johann Sebastian Bach - Anno 1720 "Hochfürstlich-Anhalt-Cöthenscher Capellmeister". Der Dreh- und Angelpunkt, denn solch eine ansehnliche Position verlangt danach, immer zu wissen, was zu Hofe  angesagt ist - musikalisch gesehen, was Klang und Timbre anbetrifft. Höfisch muss es sein, in gewisser Weise auch festlich, zu Schloss, Kerzenlicht und vornehmer Gesellschaft passend. Die war zugegebenermaßen nicht immer so musikaffin wie manch heutige Konzertbesucher. Was nichts anderes heißt, als dass die Herrschaften von einst schlicht unterhalten werden wollten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Heute würde man zum Schlager greifen. Johann Sebastian Bach wartete selbstredend mit mehr auf, weshalb er seiner "Ouvertüre Nr. 1" gleich sechs Sätze gewährte, da einige mehrteilig sind, könnten es gar zehn sein.

Eine Mammutaufgabe - zumindest eine Herausforderung für jedes Orchester. Wie sich rasch herausstellte, aber nicht so für die "Sinfonietta Oberkochen-Königsbronn", die die Komposition überraschend luftig  angeht, um zugleich anmutig deren würdevollen Klang zu zelebrieren. Keine Selbstverständlichkeit, denn Bachs "Nr. 1" ist im Grunde genommen eben ein populärer wie leicht fasslicher Mischmasch aus Courante, Gavotte, Menuett, Bourrèe und und und.

Ein Fingerzeig genügt

Übrigens ein in der Barockzeit gerne gehörter Eklektizismus, bei dem alle zur Verfügung stehenden Stilrichtungen in eine Komposition eingebaut werden. Bach erweist sich nicht nur hierbei als höchst erfolgreicher Könner, wie die "Sinfonietta" im Bürgersaal belegt. Indes eine Musik, der man ausgesprochen gerne zuhört, die auch den Musikern sichtlich Freude bereitet.  Dirigent Andreas Hug führt seine Sinfoniker - Amateure, Semiprofessionelle und Berufsmusiker - mit ruhiger Hand durch die weitläufige Komposition. Ein Fingerzeig hier, ein kleiner Wink da - das Orchester ist blendend eingespielt. Doch irgendwann verklingen die italo-französisch angehauchten Tänze höfisch fein und die schöne Musik findet ein Ende. Das Oberkochener Publikum ist von dieser Musik und dem kleinen Orchester begeistert, applaudiert entsprechend fleißig.

Danach ist Johann Sebastian Bach erneut gefragt, diesmal aber sein "Konzert f-moll", eine  kammermusikalische Séance, für die Hug lediglich fünf Streicher und Cembalo-Solistin Miho Amada auf die Bühne bittet. Das dreisätzige Werk schrieb Bach für seinen wöchentlichen Konzertreigen im Café Zimmermann, wo er gerne mit dem studentischen Collegium musicum auftrat.

Kontemplative Musik

Im Bürgersaal beschert Miho Imada dem Stückchen einen eleganten Klang, verbunden mit einem schon fast anmutig zu nennenden Timbre. Wobei besonders der Mittelsatz ("Largo") einem kontemplativen Adagio ganz nahekommt.

Mit Johann Bernhard Bach - er war Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach - kehrt die "Sinfonietta" in voller Besetzung mit Streichern und Basso Continuo dann wieder zur unterhaltsamen höfischen Musik zurück. Barock und doch  so erfrischend klingend. Die Musici heben die kunstvollen Klangfarben hervor, betonen mit Horn und Fagott den galanten Charakter - eine Interpretation, die dem Zeitgeist dieser Musik gerecht wird. Wer in einem solchen Konzert sich auf die Bach-Sippe konzentriert, kommt selbstverständlich an Bach-Sohn Johann Christian nicht vorbei. Vor allem dann nicht, wenn man solch eine musikalische "Familien-Werkschau" gefällig mit Oboe, Fagott und Streicher   - wie sie in der "Sinfonie B-Dur op. 21 Nr. 1" dominieren - abrunden möchte.

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Aalener Kulturjournal