"Spektakulatius" in concert

Wenn´s schneielet und Happy Xmas ruft  

20 Uhr soll das Konzert beginnen. Eine Stunde zuvor gehen die Türen zur Aalener Musikschule auf. Zeit genug. Falsch gedacht, denn kaum öffnen sich die Pforten, strömen die Besucher herbei. Der Andrang hat einen Namen, der so ungewöhnlich ist wie die Musik: "Spektakulatius". Eine Band mit gewissem Mehrwert, frönt sie doch diesem unwägbaren Mix aus perfekter Show, guter Musik und blendendem Gesang.  Vor allem verstehen sich Martina Fritz, Aysun Idrizi, Christian Steiner, Christian Bolz, Ralf Meiser, Markus Braun, Thomas Göhringer und Florian Blau bestens darauf, alle ihnen zur Verfügung stehenden Register zu ziehen, stilistische Grenzen leichtfüßig zu überschreiten, Jazz in Traditionals einfließen zu lassen, Folk ganz nah an Punk zu stellen.  Das Ergebnis: Überwältigend!

So auch am Freitagabend im Herbert-Becker-Saal der Musikschule, in dem die diesjährige Weihnachtstour der Band den Anfang nimmt. Weltmusikalisch bestens aufgestellt, wie einleitend bereits Mykola Leontowytschs "Carol of the Bells" beweist. Im "Spektakulatius"-Arrangement zwar ohne Glocken, dafür betont rhythmisch, wenn auch mehr rockig als adventlich. Die begehrten alten Weisen kommen bei "Spaktakulatius" - wie alle Jahre wieder - indes nicht zu kurz. "Jingle Bells", "All I want for Christman" und der "Little Drummer boy" stehen auf der Warteliste. Da wird es besinnlich, zumal das Oktett diese Lieder wohlüberlegt und mit Bedacht inszeniert. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Aber intensiv, wie beim Trommeljungen. Die Spots verlöschen, Männerstimmen singen ein rhythmisches "Pa rum pum pum pum" über dem sich verheißungsvoll die beiden Frauenstimmen mit der anrührenden Geschichte erheben. Vergleichbares bei der alten Volksweise aus dem Salzburger Land "Still, still, still, weil´s Kindlein schlafen will". Hier aber rein Instrumental, in einem ansprechenden Mix aus Traditional, Klezmer und Moderne.

Auf Gegensätze will "Spektakulatius" allerdings nicht verzichten. Beispielsweise wenn Ralf Meiser bei "Fairytaile of NY" mit rauchiger wie krächzender Stimme als trefflicher Vorsänger den Boden für irischen Folk bereitet. Nur noch die Fidel fehlt, um zum Irish Dance zu bitten. Zu adventlicher Weltmusik gehört selbstverständlich auch das englische "God rest ye merry Gentlemen", dem ein Hauch Anni Lennox mit auf den Weg gegeben wird, ein an "We will rock you" erinnerndes Prelude.

Mal unmittelbar, mal allegorisch singen "Spektakulatius" von Advent und Weihnacht. Alles ist dabei und alles sehr bemerkenswert, ein musikalisches Weihnachtswunderland. Eines mit Niveau, das jedoch allzu süßlichen Klang vermeidet. Selbst wenn Bryan Adams "Something about Chrismas" aufgerufen wird, bleibt "To see the joy in the children's eyes /
The way that the old folks smile / Says that Christmas will never go away" glücklicherweise was es ist, ein wunderbarer wie sinniger Vers.

Martina Fritz und Aysun Idrizis glänzen mit ausdrucksstarken Stimmen, Ralf Meisers erweist sich erwartungsgemäß wandelfähig, während  Christian Steiner seine Lieder einschmeichelnd präsentiert. Und dann gibt es noch einen Sänger, der als Schlagzeuger eigentlich für den notwendigen Rhythmus sorgt, der sich an diesem Abend allerdings auch darauf freut, Dialekt singen zu dürfen: " Es schneielet, es beielet, / Es goht en kühle Wind." Manche Dinge lassen sich eben in Mundart einfach schöner sagen, weil sich auf diese Stimmungen spiegeln lassen. Da liegt Göhringer ganz nah beim baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Mundart fühle sich für ihn einfach "heimeliger" an als Hochdeutsch, sie sei Sprache der Nähe.

Selbstredend gehört Weihnachtsrock dazu, wie auch die vielen anderen Musikstücke. Welches das beste war, lässt sich nicht sagen. Sicherlich am ausdrucksstärksten, weil auch am aktuellsten "Happy Xmas - War is over". Irgendwie laufe die Welt gerade aus dem Ruder, singt John Lennon, um dennoch hoffnungsvoll zu enden: "Frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr! Lasst uns hoffen, dass es ein gutes wird ohne Ängste - War is over, if you want it / War is over now."

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Aalener Kulturjournal