Stadthalle Aalen 

"Nur ein technischer Defekt!"

Mit afrikanischer Artistik, Akrobatik und Musik begeistert "Mother Africa" (siehe auch: New Stories from Khayelitsha) nahezu 1000 Besucher in der Aalener Stadthalle. Ein vielversprechender Abend steht  bevor. Doch die Sicherheitstechnik der Stadthalle will anderes: Aus unbekanntem Grund schlägt sie mitten in der Vorstellung Alarm. Sirenengeheul und die automatisierte Durchsage: "Wegen eines technischen Defekts bitten wir Sie, den Saal zu verlassen!"  Die Ansage wiederholt sich unablässig, auch auf die Notausgänge wird verwiesen.

Auf der Bühne schauen sich die Tänzer und Musiker fragend an, im Saal ein überraschtes Publikum, das zunächst vermutet, die Alarmsignale gehören irgendwie zur Show. So richtig ernst nimmt das Ganze zu dieser Zeit noch niemand. Die am Rande Sitzenden bemerken zwar  hin und her eilende Mitarbeiter des Veranstalters, doch ansonsten scheint die Show weiterzugehen. Bis schließlich die Musik verstummt. Alle schauen nun noch ratloser. Nach einer gefühlten Ewigkeit, wahrscheinlich waren es aber "nur" zehn Minuten, verlassen die Künstler der Reihe nach die Bühne. Im Saal stehen einige Frauen auf und eilen mit ihren Kindern  nach draußen. Jemand kommt auf die Bühne und fordert alle Zurückgebliebenen auf, ebenfalls den Saal zu verlassen. 

Alle müssen die Stadthalle verlassen

Von Panik keine Spur. Ruhig und geordnet verläuft der Auszug. Allerdings nur durch die Haupttüren. Die Notausgänge nutzt - soweit erkennbar - kaum jemand. Dafür aber den Fahrstuhl!

Ordner fordern nun alle auf, ins Freie zu gehen. "Niemand darf im Haus bleiben!", rufen sie. Da muss doch tatsächlich etwas passiert sein! Aber die Nacht ist verregnet. So fühlen sich seltsamerweise viele in 

der - vielleicht brennenden? - Stadthalle sicherer. Trockener ist es auf alle Fälle. Mit Nachdruck muss deshalb manch einer hinaus komplimentiert werden.

Vor dem Hauptportal hört man bereits Einsatzfahrzeuge. DRK-Rettungswagen und Feuerwehr kommen mit Blaulicht gerast. Mit dabei das Fahrzeug der Einsatzleitung und ein großer Wagen mit Drehleiter. In Habachtstellung bleiben sie auf der Straße vor der Halle stehen. Menschen zwängen sich zwischen ihnen hindurch zu den Parkplätzen, Autofahrer wollen vorbei, Neugierige mittendrin. 

Afrikas Trommeln rufen zurück

Blaulicht erhellt die Nacht, Feuerwehrmänner bereiten sich vor.

Aber auf was? Noch immer scheint keiner es so recht zu wissen. Zu sehen ist jedenfalls nichts: kein Rauch, kein Feuer. Nichts. Das verbliebene Stadthallen-Publikum sucht unter Schirmen oder dem Vordach  Schutz vor dem Regen, rätselt über die Ursache und darüber, ob die Show weitergehen wird. Ein gutes Drittel resigniert und geht heim. Doch nach etwa einer halben Stunde geht es tatsächlich weiter. Ein Mitarbeiter bittet alle zurück in den Saal, beruhigt mit: "Nur ein technischer Defekt!". Allgemeines Aufatmen und viel Gesprächsstoff. Von der Bühne herab rufen wieder Afrikas Trommeln, die Künstler kommen zurück und es gibt jede Menge Beifall.

Ein ungutes Gefühl bleibt

Was bleibt? Die Freude, dass die Aalener Stadthalle sicher zu sein scheint, aber auch ein ungutes Gefühl, denn was wäre wenn? Wenn es beispielsweise tatsächlich gebrannt hätte, die Besucher der Anordnung den Saal zu verlassen, wie geschehen, nicht sofort nachgekommen wären, weil ihnen die Situation nicht bewusst gewesen wäre. "Unverständlich, dass niemand beim Alarm sofort den Saal verlassen hat", meint ein Feuerwehrmann. 

Was in den ersten Minuten nicht alles hätte passieren können. Vielleicht wäre zu der akustischen Warnung zusätzlich ein optisches Signal nötig. Vielleicht sollte deutlicher auf die Notausgänge verwiesen werden. Vor allem aber müsste rasch ein Verantwortlicher von der Bühne herab zum Verlassen des Gebäudes auffordern. Die Stadtverwaltung denkt derzeit über neue Nutzungskonzepte für die Stadthalle nach. Das Sicherheitskonzept sollte als erstes überprüft, gegebenenfalls nachgebessert werden. Nicht nur im technischen Sinne. Es war Gott sei Dank nur ein Fehlalarm. Alles harmlos, aber ein ungutes Gefühl bleibt dennoch. 

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Aalener Kulturjournal