STOA:Ute Kircher inszeniert Alan Ayckbourns "Ab jetzt" im Theater auf der Aal

Von Frauen, Männern und Robotern  

Kann und darf das in diesen Zeiten noch sein? Ein Theaterstück, so ohne Tiefgang? Eine Komödie oder besser Klamotte, politisch unkorrekt bis hinter die Ohren? Dessen ungeachtet geht es in dem Stück hinter vorgehaltener Hand schon deftig zur Sache, insbesondere angesichts eines befremdenden Frauenbilds des Autors Alan Ayckborn, den 1986, als er "Ab jetzt" geschrieben hat, anscheinende die Angst vor dem Feminismus derart umtrieb, dass er in dem Stück Frauenrechtlerinnen als feministische Vorstadtbande "Töchter der Finsternis" verewigte. Schwamm drüber, spielt eh keine Rolle.  

Wichtiger: Regisseurin Ute Kircher sorgt dafür, dass eine Handvoll schrulliger  Protagonisten auf die Bühne kommt, die vor allem eines können: Komödie spielen.  Obwohl „Ab jetzt“ sicher nicht Ayckbourns gelungenstes Stück ist. Aber Ute Kircher  macht das Beste daraus. Viel Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Ensemble, das es tatsächlich schafft, zwei unterhaltsame Stunden mit dieser doch recht absurden Geschichte zu füllen.

Komponist Jerome (Robert Ziegler) schafft sich einen weiblichen (!) Haushaltsroboter an, um von seiner Ex-Frau Corinna (Marika Meyer-Neupert) Umgangsrecht mit der gemeinsamen Tochter (Yasmine Zenke) zu bekommen.  Obwohl er eigentlich gar keine Zeit dafür hat, denn  Jerome schreibt gerade an der Musik seines Lebens, eine moderne (zumindest stellte man sich das in den 1980er Jahren so vor) Komposition über die wahre Liebe. Mittels überall in der Wohnung aufgenommener Geräusche, musikalischer Versatzstücke  und Sprachfetzen soll das Meisterwerk gelingen, doch so recht geht es nicht voran. Der Grund, Jerome fehlt die Inspiration und Kommunikation, sitzt er doch ganz alleine mit seinem stoischen Roboter in der Wohnung.

Überraschend kündigt sich seine geschiedene Frau samt einem Vertreter des Jugendamtes an, um seine Lebensverhältnisse zu überprüfen. Zuerst soll die gemietete Schauspielerin Zoe (Tanja Peter), eine heile Welt vorzugaukeln, nach dem das aber schiefgeht, wird der Roboter Gou (Tanja Peter/Marika Meyer-Neupert) umprogrammiert und so zur perfekten Geliebten und Hausfrau gemacht. Die Menschmaschine bringt indes weitere Komik ins Spiel, vor allem durch Fehlschaltungen und Fehlinterpretationen.

Die Komödie bleibt eine Komödie

Glücklicherweise belässt es Ute Kircher in ihrer Inszenierung bei dieser nicht allzu in die Tiefe gehenden Posse, denn ohne größeren Ballast funktionieren auch die Slapstick gleichen Einlagen, die in Hülle und Fülle vorkommen. Aber immer schön verteilt, damit die Lachdosis stimmt.  Es wird übertrieben, durcheinander gesprungen und persifliert. Manchmal scheinen die Schauspieler selbst vor einem Lachanfall zu stehen. Eine dementsprechende Nummer liefert Günter Wick ab, der nicht nur als Lupus per Video aus Schubarts "Bierhalle"  zugeschaltet wird, sondern der auf der Bühne auch einen glänzend verwirrten Sozialarbeiter gibt. Das lässt doch tatsächlich "Werner" aus dem holländischen Kultfilm "Die Flotters" grüßen.

Der Wahnsinn naht, als alle in Jeromes Wohnung zusammentreffen. Jetzt sind die kleinen Schwächen und manche Überlänge des Stückes vergessen, jetzt zeigt sich, wie perfekt das Ensemble aufeinander eingespielt ist. Im Gegensatz zu Robert Zieglers "Jerome", haben Tanja Peter und Marika Meyer-Neupert unübersehbar vielschichtigere Rollen, doch das liegt vor allen am Autor Ayckborn, der sich hier ein bisschen an recht klischeehaften wie überkommenen Frauenbildern abarbeitet.

Um es nicht zu vergessen! Eine hielt sich bei der Premiere im Verborgenen: Chris Wegel. Er komponierte tatsächlich aus Geräuschen, musikalischen Versatzstücken  und Sprachfetzen ein Musikstück, um es dem gestressten Jerome unterzuschieben.

 

INFO

Weitere Aufführungen:

"Ab Jetzt" - jeweils um 20:00 Uhr im Theater auf der Aal

22.; 23.; 28.; 29. März

05.; 06.; 11.; 12. April

Karten können Sie unter 07361-4906039 bei der DAA reservieren.

Weitere Infos unter www.theaterwerkstatt.org.

 

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Aalener Kulturjournal