Die Herren Stumpfes geben sich mit den Damen vom Dohlengässle die Ehre

Damid´s so isch, wie´s isch

So kurz vor Urlaubsbeginn noch einmal so richtig schön urschwäbisch, hausmusikalisch und skrupellos zur Sache gehen? Eine Verlockung der sich über 600 Musikfans nicht entziehen konnten und deshalb ins Fachsenfelder Schloss zogen, um hier unter den Linden "Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle" zuzujubeln. Wer die Barden kennt, weiß um deren Anziehungskraft, weiß, dass deren Gefolgsleute aus Stadt und Land gerne die Gelegenheit am Schopf ergreifen, um die Musikanten aus unmittelbarer Nähe, sozusagen auf Du und Du zu erleben. Alle Jahre wieder warten sie dann gespannt auf das, was sich Manfred „Manne“ Arold, Benny „Banano“ Jäger, Michael „Flex“ Flechsler und Marcel „Selle“ Hafner Neues haben einfallen lassen. Aber sie warten alle auch auf die alten, lästernden, witzigen Lieder, die den Ruf des Quartetts als schwäbische Oberbarden seit gefühlter Ewigkeit begründen. Übrigens ganz im Sinne Friedrich Schillers, der einstmals reimte: "Ein Wirtemberger ohne Wein, / Kann der ein Wirtemberger sein?" Eine feucht-fröhliche Annäherung an die schwäbische Mundart, an die schwäbische Seele und an das schwäbische Selbstverständnis.

Was im Winter das Silvester-Konzert, ist im  Sommer das Fachsenfelder Pendant. Ein tolles OpenAir, mit vergnüglicher Musik und guter Laune. Und immer wieder ist es überraschend, welch große Heerscharen gen Fachsenfelder Schloss pilgern. Kein Parkplatz weit und breit mehr frei. Wer zu spät kommt, musst in irgendwelche Seitenstraßen ausweichen. Der Schlosshof entsprechend proppenvoll. Dafür herrscht allerbeste Stimmung, Vorfreude angesichts des angekündigten Programms, das eines verspricht:  Spaß pur. Was bei den "Stumpfes" nichts anders bedeutet als eine amüsante Abfolge schwäbisch gesungener Gassenhauer, die es so eben nur bei den Experten "skrupelloser Hausmusik" gibt. Alle Jahre wieder darf hier mitgesungen werden und selbst wenn das eine oder andere Lied zum hundertsten Male schon gespielt wurde. Keine Spur von Langeweile. I kohs nemma heera? So etwas gibt es nicht.

Nach über 20 Jahren "Zieh und Zupf Kapelle" ergibt sich indes ein überaus drolliges Repertoire voller "Evergreens", Lieder, wie für das Fachsenfelder OpenAir maßgeschneidert. Aber leider eine viel zu umfängliche Sammlung, als dass sie in einen Abend passen würde, weshalb sich manch nostalgischer Schmachtfetzen zum Liedchen reduziert. Ob von des "Bäsles" Hochzeit und von "scheene bleede Witz" gesungen wird - alles kommt gnadenlos gut an. Wie beispielsweise die Wortspielereien vom coolen oder schwulen Trompeter, der vielleicht auch ein Schulamtsvertreter sein könnte.

Manne, Selle, Flex und Benni singen treuherzig im Idiom der Ostalb. Für Schwaben verständlich, manch  Rei´gschmecktem steht indes ein Fragezeichen im Gesicht. "Ma verschdehd den Dexd so schlechd!", gesteht das Quartett in einer Liedzeile und zieht so die Verbindungslinie zu den Tübinger "Damen vom Dohlengässle", die diesmal als Gast beim Stumpfes-Event auftreten.

Gsälz, Besen und Viertele? „Wir können alles außer Hochdeutsch“. Für die Stumpfes ist das Damen-Trio die ideale Beigabe, haben diese doch Vergleichbares im Sinn. Ida Ott umreißt dies mit "über Gott und die Welt reden". Ihre Kollegin Dietlinde Ellsässer konkretisiert: "Stammt älles von de Gass".

Hört sich wie bei Stumpfes an. Gibt es ihn dennoch den kleinen Unterschied? Freilich! Wenn die Herren Stumpfes beispielsweise vom "Bemberle" singen, dass ihnen bekanntlich in einem ihrer Lieder wehtut, dann ist dies eine von vielen Geschichten, die jedes Lied für sich erzählt. Die Damen vom Dohlengässle hingegen erzählen einen Abend lang variationsreich eine einzige Geschichte, die sich nach und nach entwickelt. "Wir haben einen Roten Faden", betont Ellsässer. An diesem entlang hangelt sich ein spaßiges Gefrotzel, bei dem überbordende Lebenslust und knizze Bauernschläue die spöttische Weltbetrachtung aus der Sicht des "Dohlengässles" bestimmen. Wobei den Damen klar ist: "Dr Schwab guckt genau na, wenn ebbs Neies kommd".

Aber es gibt auch die Parallele zu den Stumpfes: Die Damen singen ebenfalls. Quer durch die Schlagerwelt. Besonders lange bleibt die Dohlengässle-Interpretation von "Bei mir bist du schejn" in Erinnerung.

Da geht doch dem Schwaben als solchem (und den Schwäbinnen) das Herz auf. Genau das ist das Geheimnis von den Herren Stumpfes und den Damen vom Dohlengässle Erfolgs. Die Lieder und Texte handeln von Menschen wie du und ich, von den kleinen Freuden, den Gebrechen des Alltags und immer wieder vom Ist-Zustand der schwäbischen Seele. Und das so „ebbes ganz schee sei koa“ spiegelt sich in diesem ulkigen Mix aus Musik und Prosa. Und es spiegelt sich im unverwechselbaren Kontext aus Mundart-, Comedy- und Spottsucht. Wie im prallen Leben. Aber immer schön auf schwäbisch, damid´s so isch, wie´s isch.

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Aalener Kulturjournal