Theater Aalen: "Ein Faustexperiment" 

Doktor Faustens Spiel mit dem Roboter

Faust in Berlin, Faust in Stuttgart, Faust in Ulm. Nun bittet auch das Aalener Stadttheater am kommenden Samstag den Doktor auf die Bühne.  Besser zum „Faustexperiment“, wie Regisseur Marko Timlin und Dramaturg Tonio Kleinknecht ihr Spiel mit Goethes immer strebendem Menschen nennen. Eine Aufführung mit hohem Risikopotential? Vielleicht und eingedenk der einstigen "Gretchen-Aufführung" eine, die auch ins Auge gehen kann.  Zumal das Faustexperiment tatsächlich zum Experiment im Wi.Z werden soll, holen sich doch die Akteure lediglich eine Schauspielerin, einen Tänzer und zwei Roboter auf die Bühne, die zur  Zitatensammlung aus Goethes "Faust"-Text agieren werden. 

 

Das Duo Timlin/Kleinknecht spricht von einem „sehr frei nach Goethe" erstelltem, multimedialem Theaterstück, das die Themen humane Technologiegesellschaft, Widerspruch zwischen Vernunft und Gefühl umreißen und zugleich das Spielzeitmotto „Sein oder haben“, aufgreifen wird. Den möglichen Fragezeichen hält Tonio Kleinknecht entgegen, es sei der Versuch  Goethes "Faust" durch die Brille von Erich Fromms ,Haben und Sein' zu betrachten, um noch ein Zitat von Thea Dorn mit auf den Weg zu geben: „Der Teufel steckt im Übermorgen.“ Klingt engagiert, auch weil in der konkreteren Beschreibung, von dem Versuch gesprochen wird, Faust als Wissenschaftler zu beschreiben, der an seine Grenzen kommt, weil er trotz allen Bemühens eben nicht Gott sein könne und überdies der Verführung der Welt des Habens erliege. 

Im in die Moderne gehievten Laboratorium des Doktor Fausts wird geschauspielert (Kristine Walther), getanzt (Giorgio Convertino) und musiziert (Marko Timlin). Nicht zu vergessen: Hightech kommt noch hinzu: Zwischen Projektions- und Videokunst (Marek Pluciennik) tummeln sich zwei von Markus Knödler und Andreas Stelzer programmierte Roboter (Hochschule Aalen, Prof. Ulrich Klauck). Dass die Maschinen bei den Theaterproben aber immer wieder an die Grenzen ihrer künstlichen Intelligenz kamen, davon kann Regisseur Timlin ein Lied singen. Minimale choreographische Korrekturen hätten ständig langwierige Programmierarbeit nach sich gezogen. „An spontanes Ausprobieren ist da nicht zu denken. Hier liegen die wirklichen Probleme: an der Schnittstelle Mensch und Maschine.“ 

Auf die Frage, ob das "Faustexperiment ohne Kenntnisse des Originaltextes Sinn mache, meint Marko Timlin, „Faust" sei eigentlich nicht sein Ding, aber in einer tollen Bildersprache werde eine neue Sicht auf das Thema geliefert. Da darf man gespannt sein, zumal der Regisseur glaubt, Schülern mit seiner Inszenierung den Zugang zu Goethes "Faust" erleichtern zu können. „Faust-Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Ehrlich“, versichert er deshalb nochmals ausdrücklich.

 

Skeptikern bietet das Aalener Kulturjournal einen Einblick in Goethes Faust Teil I und II unter  https://www.aalener-kulturjournal.de/theater-musik-kunst/faust-ein-essay/

 

INFO

Ein Faustexperiment

Premiere: 14. Oktober (20 Uhr), Bühne im Wi.Z

Weitere Termine: 20., 21., 27. und 28. Oktober.

Infos: www.theateraalen.de oder Telefon 07361 / 522600, eMail kasse@theateraalen.de

 

21. Oktober: „Theater trifft...“ im Anschluss an die Aufführung wird Mapal-Chef Jochen Kress über das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg und von der Zeiss-Stiftung unterstützte Theaterprojekt sprechen.

 

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