Spielclub 2: "Reckless"

Von Zwergen, Feen und Goyls

Die Bedürfnisse Jugendlicher und Erwachsener stimmen gewiss nicht immer überein. Das ist im Leben wie im Theater so. Auch beim Theaterspielen. Während die großen Theatermacher gerne pädagogisch Sinnvolles ins Visier nehmen,  träumen die jüngeren eher von Abenteuern. Konkret geht es um den "Spielclubs 2" des Aalener Stadttheaters, der weder Wedekinds Kindertragödie "Frühlingserwachen" noch sonst irgendein "Jugendproblemstück" auf die Bühne gebracht hat.

Abenteuerliches also. Wer könnte dafür eine bessere Vorlage liefern als die Erfolgsautorin Cornelia Funke? Nicht deren facettenreicher "Tintentod“ mit seinen barocken Erzählperspektiven, vielmehr sollte der schlankere Jugendroman "Reckless" sein.

Die Geschichte um Jacob und Will Reckless, die nicht nur in der Namensgebung nicht zufällig an Jacob und Wilhelm Grimm erinnern, taucht doch die Autorin bei "Reckless" in wahre Grimmsche Märchenwelten ein. In ganz besondere, geht es doch in eine sich  hinter einem Spiegel verbergende Welt. Hört sich spannend an, klingt nach Fantasy und ist auch so. Ist das auf der Bühne darstellbar? Ausstatterin Ana Tasic steht hilfreich zur Seite, ihr Bühnenaufbau beschreibt nur die Welt hinter dem Spiegel. Wer hier eintritt, muss einen schwarzen Vorhang durchschreiten, findet sich dann in Nebelschwaden und diffusem Licht wieder. In dieser surrealistisch wirkenden Szenerie siedelt Regisseur Arwid Klaws die Geschichte an, reduziert auf die entscheidenden Phasen, in Spannung gebracht von Dramaturgin Tina Brüggemann.

Beste Voraussetzung für 60 Minuten gute Unterhaltung.

Licht und Schatten liegen über der Bühne. Bedrohliche Musik erklingt. Seltsame Gestalten treiben ihr Unwesen. Eine Welt voll Furcht und Finsternis, erklärt Jacob Reckless im Verlauf des Stückes. Das Inventar kommt den Lesern Grimmscher Märchen freilich bekannt vor, huschen doch Zwerge, Feen, Einhorn und sonderbare Nachtgestalten über die Bühne, dazu unheilverkündende Sirenengesänge und wunderliche Zauberei.

Kleine, rasch aufeinanderfolgende Szenen spiegeln Cornelia Funkes hohes Erzähltempo: knappe Kapitel, Abschnitte, Sätze suchen nach dem abenteuerlichen Versuch Jacobs (Johannes Zeidler) seinen jüngeren Bruder Will (Rafael Brüggemann) zu finden, der in der Welt hinter dem Spiegel in Gefahr schwebt.

Krieg herrscht zwischen Menschen und den Goyl, finstere Wesen aus Stein (Kostüme: Stefanie Krey). Mit Hilfe der schwarzen Fee (Sarah Peters) und düsterer Magie, lässt jede Berührung eines Goyls einem Menschen steinerne Haut wachsen. Er wird selbst zum Goyl. Ein Schicksal, das Will trifft. Doch nicht zu Stein, zu Jade verwandelt er sich langsam, um so eine alte  Prophezeiung zu erfüllen:  den Goyl-König unbesiegbar machen. Will, dessen Freundin Clara (Romy Kombartzky), Jacob und Fuchs (Eva Sturm/Ida Sturm) wollen dies verhindern. Eine gefahrenvolle Reise in eine Fantasiewelt beginnt, an der in verschiedenen Rollen auch Rebecca Shriever, Sophie Sternberg, Clara Brüggemann, Carla Uhl und Lena Schittenhelm beteiligt sind. Die Premierengäste sind begeistert. 

 

Weitere Aufführungen im Wi.Z:

09. Juni, 16. und 23. Juni

 

 


Fotos: Karolina Tomanek

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Aalener Kulturjournal