Theater Aalen: Spielzeitbeginn mit  Sibylle Bergs "Viel gut essen" 

Herr Jedermann als Wutbürger

Ab kommenden Samstag darf in Aalen wieder Katja Ebsteins Evergreen von 1980 gesungen werden: "Theater, Theater, der Vorhang geht auf, dann wird die Bühne zur Welt." Zumindest darf man beim Theaterfest in der Fußgängerzone mit einstimmen (ab 11 Uhr). Und man darf Einblick nehmen in dieses verschwommen klingende Spielzeitmotto des Städtischen Theaters "Sein oder Haben". Drei Worte, die der gesellschaftskritischen Betrachtung des Sozialpsychologen Erich Fromm entlehnt sind.  

 

Bereits am 7. Oktober ist dann in der Premiere von "Viel gut essen" zu beobachten, was die Theatermacher unter den beiden Charakterstrukturen Sein und Haben verstehen, denn mit Sibylle Bergs tiefschwarz-humorigem Stück dürfen sich vermeintliche Gutbürger zu Wutbürgern wandeln und eventuell den einen oder anderen Zuschauer mit in das Gruselkabinett der Zyniker und Menschenverächter holen.

 

Bis das Lachen im Halse stecken bleibt

 

Dass es dennoch viel zu lachen gibt, dafür steht der Name Sibylle Berg. Auf mögliche Gefahren verweist Regisseur Arwid Klaws: "Das Lachen kann einem unter Umständen im Halse stecken bleiben!" Und Dramaturgin Tina Brüggemann nennt noch eine weitere Gefahr, die der Wiedererkennung. "Es geht um gesellschaftliche Veränderungen, die wir alle wahrnehmen und aus denen wir unsere Schlüsse ziehen." Dass diese nicht immer erfreulich sein könnten, fügt sie noch an.

Arwid Klaws inszeniert am Aalener Theater "Viel gut essen" als Ein-Personen-Stück (Philipp Dürschmied). Wie dabei Sibylle Bergs Haupt- und Subtext zur Geltung kommt, wird sich bei der Premiere zeigen; vielleicht gibt es allerdings beim Theaterfest am kommenden Samstag bereits erste Hinweise, denn hier sollen kleine Szenen aus dem Stück als Kostprobe zu sehen sein. Bei der Autorin jedenfalls wickelt sich der Rote Faden um Fremde, die nicht willkommen sind, rechtspopulistische Parteien, die sich im Aufwind sehen und um Männer, die sich in einer akuten Identitäts- und Lebenskrise wiederfinden.

 

"Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!"

 

Auf der Bühne will ein solches Männerexemplar - Tina Brüggemann charakterisiert es als Prototyp des "Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen-Bürgers" für die ganze Familie ein großes Menü zubereiten. Wobei man wissen muss: Der Mann ist arbeitslos, die Familie längst zerbrochen, die Exehefrau heißt jetzt Hüdüczü und der Sohn will Balletttänzer werden.

 

"Theater, das ist wie ein Rausch und nur der Augenblick zählt. Wie ein brennendes Fieber, wie ein Stück Glückseligkeit. Ein längst vergess´ner Traum erwacht zum Leben", singt Katja Ebstein. Wie Sibylle Berg das sieht und wie es Arwid Klaws interpretiert, wird die Premiere zeigen. 

Der Regisseur verspricht jedenfalls: „Das Publikum wird lachen und sich anschließend kritisch fragen: Worüber habe ich denn da eigentlich gelacht?" Antworten wird es bei zwei „Theater trifft“ - Abende geben: Am 22. Oktober diskutiert Dr. Karl Franke mit den Zuschauern und am 25. November bestreiten Julia Schröder, ehemalige Kulturressortleiterin Literatur der „Stuttgarter Zeitung“, Karin Haisch vom Aalener Kulturamt und Askan Hendrischke, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik am Ostalb-Klinikum, den abendlichen Talk.

 

 

Fotos: Theater Aalen (Karolina Tomanek), Kullmann

 

 

INFO

 

"Viel gut Essen" - Premiere im Alten Rathaus (20 Uhr)

Weitere Aufführungen: 22.; 29. Oktober; 10.; 18.; 25. November, jeweils 20 Uhr im Alten Rathaus.

Karten und Infos: www.theateraalen.de oder Telefon 07361 / 522600, E-Mail kasse@theateraalen.de

 

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Aalener Kulturjournal