Zu Gast beim Theaterring: "Compagnie Pas de Deux" & "Theater Belenus" 

Weihnachtsrevue mit Herz

(KH) Eine Woche vor den Weihnachtsfeiertagen bat Aalens Theaterring für seine letzte Veranstaltung im zu Ende gehenden Jahr die "Compagnie Pas de Deux" und das "Theater Belenus" auf die Stadthallenbühne gebeten. "Cadeaux - das Weihnachtsvarieté" stand schlicht über dem Abend, allerdings verbarg sich dahinter ein Potpourri schöner wie vergnüglicher Momente, denen artistische und poetische Szenen zugrunde lagen. Vergleichbar einem Rausch "einfacher" Dinge, die indes Geschichten zum Staunen erzählten.

Ein wenig Zirkus, ein wenig Theater, viel Musik und fünf Künstler, mehr braucht es nicht um Stimmung und Atmosphäre zu schaffen. Um den Boden zu bereiten für eine Reise durch die Erinnerungen an ein längst verloren geglaubtes Zirkusleben. Nicht im Stile von "Menschen, Tiere, Sensationen", aber mit einem Gespür für stille, heimelige Augenblicke. Ganz bewusst sollte es kein Zirkus sein, sondern ein Theaterstück namens "Zirkus", ein Varieté, das vom Glanz André Hellers "größter Poesie des Universums" ein klein wenig abbekommen hat, bei dem die Künstler  nicht bloß ihre 

Nummern präsentieren, sondern mit viel "Herzblut" die - allerdings geschönte - Lebenswelt von Artisten.  

Die in die Jahre gekommene Zirkuskünstlerin Bernadette Labelle (Aline Del Torre) lässt von ihrem Lehnstuhl aus ihr lange zurückliegendes Artistenleben Revue passieren. Aufregende Erinnerungen werden beim Durchblättern eines alten Fotoalbums wieder wach, ebenso Anekdoten aus vergangenen Zeiten. 

Sie verselbständigen sich in kleinen Szenen, in welche die alt gewordene Artistin immer wieder selbst mit hineingezogen wird.  Der Auftakt zu einer amüsanten Reise voller Poesie und Artistik, in der Lebenslust, Sinnlichkeit und Fantasie oberste Prämisse sind.  

So darf Clown Agusto an den großen Oleg Popow erinnern, wenn er wie von Zauberhand geführt Bälle über Arme und Schulter gleiten lässt. Vergnüglich auch Labelles phantasievolle wie artistische Versuche, auf einen XXL- Stuhl Platz zu nehmen.

 

Was wäre ein Zirkus ohne Magier? Onkel Cagliostro aus Las Vegas teilt auf wundersame Weise Seile, fügt sie mühelos wieder zusammen, um danach beim virtuosen Hantieren mit "spanischen Ringen" zu begeistern. Den Jungspund der Artistenfamilie Jean zieht es zur modernen Jonglage mit dem Diabolo. Zwei an ihrer Spitze verbundenen Kegel, die auf einem Seil um ihre Längsachse rotieren, in die Luft geworfen, geschickt mit dem Seil wieder aufgefangen werden. 
Zirkus und Kinderlachen gehören zusammen. Bei Cadeaux ist erneut Clown Agusto und sein aberwitziger Versuch, einen Notenständer aufzustellen dafür verantwortlich. 
 

Aber auch das Fabelwesen aus Tiger und Hahn, welches von Labelle eigenhändig dressiert wird. Luftakrobatin  Isabelle Noelle führt an Vertikaltüchern ohne Netz und doppelten Boden allerlei Figuren vor, dreht sich bis zum Schwindligwerden und vollführt eindrucksvolle Abstürze. Aline Del Torre fasst alles in ihre Erzählung, begleitet mit Akkordeon oder Klarinette und bittet auch alle anderen an unterschiedliche Instrumente. Als Quintett musizieren sie auf der Bühne, pausieren für weitere artistische Darbietungen. Nach zwei Stunden nimmt Labelle zufrieden ihren Platz im Sessel wieder ein. "Es gibt nichts Schöneres, als mit der (Zirkus-)Familie zusammen zu sein", verrät sie noch und knipst das Licht aus.

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Aalener Kulturjournal