Oper Pforzheim bringt Smetanas "Die verkaufte Braut" auf die Bühne

"Mein Liebestraum, wie war er schön!"

Die Oper Pforzheim war beim Aalener Theaterring zu Gast. Als Gastgeschenk hatten die Badener Friedrich Smetanas "Verkaufte Braut" mit dabei, eine "Komische Oper", verpackt in ein zeitgeistiges Gewand, in seiner Aktualität allerdings nicht ganz durchgewirkt. Man muss schon ins 19 Jahrhundert zurückgehen, um die Reste überlieferter Eheschließungstraditionen ausfindig zu machen, insbesondere wenn es darum ging, wer wen heiraten sollte, durfte, musste. Die Großeltern der älteren Theaterbesucher konnten sich an entsprechende Geschichten noch erinnern. Heute ist das Thema freilich obsolet.

Oder doch nicht? Zumindest aufmerksame Zeitungsleser stoßen immer wieder auf seltsam anmutende Praktiken unterschiedlichster Communities, die sich bei der Verheiratung des eigenen Nachwuchses wenig um deren Entscheidungs- und Freiheitsrechte kümmern.  Ein trefflicher Stoff also für jeden Theatermacher, zumal gerade auch die Opernhistorie voller Opfer solch kultureller Gepflogenheiten.

Bei der Oper Pforzheim zeichnet Gregor Horres für die Inszenierung verantwortlich. Er steckt seine Protagonisten in heutige Kleidung, lässt sie mit dem Handy über die Bühne marschieren, sich nebenbei Zigaretten aus dem Automat ziehen. Damit endet aber auch schon die Moderne, der doch für den Zeitsprung vom 19. ins 20. Jahrhundert sicherlich  eine Dosis

Giuseppe Verdi mehr gutgetan hätte. Freilich nur ein Aspekt! Ein anderer: Die Badener setzen auf Live-Musik (Badische Philharmonie Pforzheim) und die klingt unterm Dirigat von Florian Erdl hinreißend schön. Bedřich Smetana weiß eben, die "Moldau" gefühlt in all seinen anderen Kompositionen unterzubringen. Vom Timbre her versteht sich.

Apropos Musik. Hut ab vor den Sängern auf der Bühne, die sich zugleich als überzeugende Schauspieler bewähren, allen voran mit klarem Sopran Anna Gütter als temperamentvolle Marie.  Tenor Benjamin Werth erweist sich im "Stotterpart"  als ausgezeichneter Sänger, der den Wenzel als sympathischen Außenseiter

spielt, während Janós Ocsovai zwar sängerisch, aber nicht so recht in der Rolle von Maries Liebhaber überzeugen kann. Bar jeder Kritik, der im roten Anzug steckende und sonnenbebrillte Lukas Schmid-Wedekind, der als Heiratsvermittler und Strizzi zugleich die Bierkrug stemmenden Dörfler aufmischt. 

Wer die Geschichte nicht kennt: Wenzel, der Sohn des reichen Bauern Micha, ist seines Stotterns wegen der Außenseiter im Dorf. Marie, deren Eltern Schulden bei Micha haben, soll deshalb mit ihm verheiratet werden. Aber sie liebt den armen Hans und tut alles dafür, dass Wenzel der arrangierten Hochzeit nicht zustimmt.

Deshalb soll Heiratsvermittler Kezal alles richten. Er überzeugt Hans, gegen Bezahlung auf Marie zu verzichten. Hans willigt ein und verkauft seine Geliebte. Die Dörfler sind entsetzt, singen "Schande, Schande, Schande", obwohl sie bei dieser Art der "Brautfindung" mitmachen würden, würde es sie betreffen. Der schlaue Hans besteht allerdings auf das Kleingedruckte im Ehevertrag, das besagt, Marie dürfe nur mit einem Sohn des Bauern Micha verheiratet werden. Wie sich am Ende herausstellt doch mit ihm Hans, denn er entpuppt sich als Michas Sohn aus erster Ehe. Darüber freut sich auch Halbbruder Wenzel, der sein Glück bei einer Zirkustänzerin findet.

Dass Smetanas "Komische Oper" einst der Unterhaltungsklassiker schlechthin war, wird bereits mit der  Ouvertüre und der "Furiant", ein schneller Volkstanz, verständlich, zumal das  folkloristisch-musikalische Flair mit seinen humorigen wie lyrischen Arien im Wechsel mit den beschwingten Chören (Chor und Extrachor des Theaters Pforzheim) für beste Unterhaltung sorgte und noch immer sorgt. Dazu hätte es des modernen Anstrichs eigentlich nicht bedurft, denn das von Smetana mit tragikomischen Zügen versehene Dorfleben mit all seinen Klischees und Abgründen, aber auch mit seiner bierseligen Lebensfreude  und herzlichen Liebenswürdigkeit gab es in der Vergangenheit, gibt es heute noch und wird es vermutlich auch in der Zukunft geben.  

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Aalener Kulturjournal