Ausstellung Zehntscheuer Abtsgmünd: Traudel von Röthardt & Uli Natterer

Puppenobjekte auf Wolke Sieben

(KH) Die beiden Aalener Künstler Traudel von Röthardt und Uli Natterer stellen seit dem gestrigen Sonntag Bilder und Objekte in der Abtsgmünder Zehntscheuer aus. Keine große Malerei, keine kybernetischen oder gar sonst wie obskuren Objekte, sondern ganz Handfestes.

Handfest, das sind Dinge, die vor wenigen Jahren noch skandalös, zumindest aber pikant gewesen wären.  Vernissageredner Wolfgang Nussbaumer wollte denn auch gar nicht Drumherum reden, sondern nannte solchermaßen Kunst beim Namen: "Die Himmelsschiffe und ihre kuriose nackige Besatzung aus Weiblein und Männlein treiben dahin im munteren Treiben!" Zur Beruhigung, angesichts der Nackedeien muss niemand rot werden, denn die vergnüglich sich in der Zehntscheuer tummelnden FKKler sind nur wenige Zentimeter groß und überdies aus Pappmaché. Überaus „heiter und sehr wolkig“, wie der Untertitel zu den Materialbildern, Objekten und raumgreifenden Inszenierungen besagt. Bei reinen Gedanken stehen die Püppchen harmlos herum, beginnen allerdings nach der Ausstellung ein verdächtig buntes Treiben, denn surrende Elektromotörchen setzen die Pappkameraden in rotierende Bewegung, als wär´s ein Stück des Kinetikkünstlers Jean Tinguely.

Die Nackedeis erzählen nur die Geschichte männlichen Scheiterns

Dem Vernissageredner gingen die sich drehenden Kunstwerke denn auch so nahe, dass er die rhetorische Frage nach dem Warum stellte. Die Antwort liegt auf der Hand: Weil sich hier das Kind im Manne wiederfinde. "Der Spieltrieb bricht sich unwiderstehlich seine Bahn." Indes kein zweckloser, wolle doch der Künstler „bewegte und bewegende Geschichten“ erzählen. Nach dem Motto: "Dada mit leicht gaga.“ Aber nicht nur. Vielleicht aus Vorsicht gegenüber der #MeeToo-Debatte gehen Künstler wie auch Vernissageredner durchaus ein gewisses Risiko ein. Immerhin dreht sich in der Abtsgmünder Ausstellung vieles um den weiblichen wie männlichen Körper. Schlicht um 

Nackedeis. Um also mögliche berechtigte oder unberechtigte Konsequenzen wie in der holsteinischen Provinz nur wenige Tag zuvor - ein Maler musste hier seine, wie auch immer gearteten Frauenportraits mit Leintüchern abhängen - zu vermeiden, stellt Wolfgang Nußbaumer klar: „Der gemütliche Teil, der heilige Teil, der männliche Teil, der philosophische Teil, der exotische Teil, der kommunikative Teil, der meteorologische Teil“ und so fort. Sollten Sie, den weiblichen Teil vermisst haben, was ich stark hoffe, hat unser Hauptteilhaber eine verblüffende Erklärung parat. Im Grunde erzähle er ja nur die Geschichte männlichen Scheiterns. Mehr Anerkennung für Frauenpower sei kaum möglich..." Ende gut, alles gut. Nichts muss verdeckt oder wie einst bei der Klimt-Ausstellung nur erwachsenen Kunstfreunden im mit schwarzen Tüchern abgehängten Kabinett gezeigt werden.

Vom `Triadisches Ballett´ zum Wunsch einfach da zu sein  

Nicht ganz so direkt in ihrer Körperlichkeit, zeigen sich die Objekte von Traudel von Röthardt.  Deren Weiblichkeit offenbarte sich lange in Form von Gliederpuppen aus Lindenholz. Eine Puppenwelt erschaffen mit kunsthandwerklichem Können. Diese Meisterschaft bleibt in ihren neueren Arbeiten erhalten. Wolfgang Nußbaumer erkennt: "Ihren besonderen Reiz gewinnt die neue Generation der abstrahierten Kreationen aus dem Gegensatz zwischen den rotbäckigen stilisierten Holz-Puppenköpfen und den meist von einem transparenten Textil überzogenen ganz unterschiedlich geformten Körpern".

Das Thema Gliederpuppen sei für sie aus künstlerischer Sicht ausgereizt gewesen, betont Traudel von Röthardt. Aber weiterhin wolle sie ihren nun stilisierteren Puppenobjekten kein Eigenleben zugestehen. "Meine Puppen entstehen in ungebundener Zweckfreiheit. Einfach nur, damit sie da sind!" 

Mit Stift und Papier entwirft sie zunächst äußere Formen überträgt diese dann in ein stabilisierendes Drahtgerüst. "Im Hinterkopf hatte sie dabei Oskar Schlemmers `Triadisches Ballett´", verrät Wolfgang Nußbaumer. Die Ausstellung belegt den Weg der Künstlerin von ihrer "Puppenfabrikation" hin zu Figurinen und Objekten 

auf anschauliche Weise. Den unübersehbaren Unterschied zwischen ihren Arbeiten und denen ihre Mannes Uli Natterer belegen übrigens auch die Namen der Kunstwerke. Hier die "Blumenfrau", das "Zerrspiegelkabinett", die "Puppe" und die "Klugheit" , dort "Die mit den Wölkchen tanzen",  "Fauler Engel hat fertig",  und "Große Senioren-Gymnastrade auf dicken Wolken". 

Vielleicht noch eine kleine Anmerkung: Angesichts Natterersa nackendem Chaos auf Wolke sieben, sorgten Veronika Gonzalez und Victor Mamani mit Rattern, Zischen, Pfeifen und Trommeln für einen ebenso chaotischen Transfer dieser Kunst in die akustische Abteilung. 

Und noch eine: Schüler des Aalener Schubart Gymnasiums begrüßten die Vernissagegäste mit einer Performance.

 

INFO

Traudel von Röthardt und Uli Natterer

Neue Arbeiten

11. März bis 2. April 2018

Zehntscheuer Abtsgmünd

www.abtsgmuend.de

 
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Aalener Kulturjournal