Benefizkonzert für den Verein „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg“

Die Blaue Blume in der Musik

Villa Stützel und romantische Musik - eine verheißungsvolle Soirée steht bevor. Carl Maria von Weber, Franz Schubert, Berlioz, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert Schumann, Wagner, Verdi und Bruckner kommen folglich in den Sinn. Doch wer wird es an diesem Abend sein? Von jedem ein bisschen oder mehr? Vielversprechend der Blick auf das Programm. Zwei eng beschriebene Seiten, darunter manch bekanntes Stück. Erstaunlich viel. Zur Überraschung aller wird indes nicht die Romantik als solche abgebildet, sondern auf  Fanny Hensel-Mendelssohn und Felix Mendelssohn, Clara und Robert Schumann sowie Johannes Brahms reduziert.  Reduziert nicht wertend verstanden. Immerhin überblicken diese Fünf nahezu das ganze romantische Jahrhundert - zumindest Clara Schuhmann, Jahrgang 1819, die bis fünf Jahre vor ihrem Tod 1896 als Musikerin international aktiv ist.

Aufschwung erhielt die Romantik gut 100 Jahre zuvor. Romantik - der Gegenentwurf zu Aufklärung und Klassik. Alle Künste wie beim dem Sturm und Drang erschließen. Vornehmlich junge Künstler tragen zunächst die Bewegung, erschaffen sich mit der Romantik eine Gegenwelt zur Vernunft. Folgerichtig  eröffnet Hans-Roman Kitterer den romantischen Reigen mit Robert Schumanns  erstem "Davidsbündler Tanz ". Ein lebhaftes wie anmaßendes Stückchen, das in Clara Schumann-Wiecks "Mazurka" aus der "Soirées musicales" mündet. Und ein gelungener Vorgeschmack auf erstaunliche 36 Kompositionen, die  an diesem Abend erklingen werden. Sandra Röddiger und Ralf Kurek lockern die Musikfolge auf, indem sie zwischen den einzelnen Liedern aus der Zeit der Romantik berichten - Geschichten und Anekdoten sowie längst vergangener Tratsch und Klatsch aus dem Leben der Komponisten. Und damit unabwendbar so manch ungeklärte Verhältnisse. Gemeint ist natürlich die mögliche Beziehung zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms. Im Mittelpunkt stehen allerdings Claras Kompositionskünste, ihre fünf Jahrzehnte dauernde Karriere als Pianistin.

Die beiden Moderatoren steuern kurzweilige Bonmots bei, sei es Johannes Brahms´ Verwunderung über österreichische Vorlieben, sein unglaublich hohes Einkommen. Hierbei  darf auch Claras Verwunderung über Brahms (für die damalige Zeit) stylischen Vollbart nicht fehlen. "Mit rasiertem Kinn wird man entweder für einen Schauspieler oder Pfaffen gehalten", antwortet der Komponist. Felix Mendelssohn verweist derweil mit seinem Opus 35 "Präludium  und Fuge"  auf die nie unterbrochene Verbindung von Barock und Romantik. Viele Gemeinsamkeiten, aller Gegensätze zum Trotz.  Sehnsüchte, das Unbewusste,  Dämonische und Heilige - die Musik träumt, wendet sich unerfüllbaren Phantasien zu. Brahms "Capriccio", sein "Intermezzo", Claras "Romanze".

Ein bisschen Wirklichkeit darf auch sein. Beispielsweise wenn Fanny Hensel-Mendelssohn das Los der Frauen beklagt, ihre Benachteiligung als Komponistin. Die Melancholie nicht zu vergessen. Roberts Stück "Warum", eine zarte Fantasie, dem Felix Mendelssohns "Rondo capriccioso" entgegensteht.  Seine lyrischen "Lieder ohne Worte" wenden dann wieder das Blatt, steigern sich herzbewegend bei Fannys  "Das Jahr - Dezember", aus dem  immer wieder der Weihnachtschoral „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ erklingt. Am Ende des kurzweiligen Musikabends Schumanns "Träumerei".   

Verdienter wie lang anhaltender Applaus für den Pianisten und die beiden Moderatoren. Und für Petra Pachners Verein „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg“, an den die Eintrittsgelder als Spende gehen. 

 

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Aalener Kulturjournal