Mirjam Striegel und das Ensemble "Viatoribus" in der Villa Stützel

  Des Trierer Kurfürsten Kammermusik

Vorbei die Zeit von Advents- und Weihnachtsmusik, Neujahrskonzerte sind nun angesagt.  Aber nicht ganz, denn in der Aalener Villa Stützel luden Mirjam Striegel und das Trio "Viatoribus" zur allerletzten Reminiszenz auf die zurückliegenden Tage. Musik zum Advent und Stephanstag, Musik zu Weihnacht und Epiphanie wollten sie erklingen lassen. Außergewöhnliches aus dem "Promptuarii Musici". Gemeint sind kleine Kompositionen, die um 1622 geistliche wie weltliche Zuhörer im Erzstift Trier erfreuten.

Zu Gast beim Kurfürsten von Trier also. Eine für die damalige Zeit - übrigens eine schreckliche, voller Seuchen und mehr als 20 großen Kriegen  -  sicherlich exklusive Einladung. In der Villa Stützel indes für jedermann, zumindest für all jene, die sich durch Schnee und nasskaltes Wetter  zum Konzert trauen.  Für so viel winterlichen Mut werden sie von Mirjam Striegel (Sopran), Katharina Haun (Zink), Phillip Boyle (Barockposaune) und John Martling (Theorbe) mit mindestens ebenso schöner Musik  belohnt.

Ein Quartett, das ganz nach dem Geschmack des Kurfürsten gewesen wäre, wenn auch nicht ganz im Sinne von dessen Ahnherrn. Denn der setzte um 1500, wie ein Fries aus der Zeit belegt, lieber auf eine vielköpfige „Canterey“. Ein wundersam idealisiertes Wunschbild zwar, dafür jedoch „zu lob vnnd Ewiger gedächtnüs“ des um seine Reputation besorgten Herrschers. Das kommt auch heutigen Zeitgenossen bekannt vor.

  Musik in Zeiten des Krieges

Der Dreißigjährige Krieg führte ab 1618 vielerorts zur Reduzierung der Kirchenmusikpflege. Heinrich Schütz'  "Kleine Geistliche Concerte"  sind augenfälliger Beleg dafür. Entsprechend ordnete sich Friderici Calvenae "Gaudeamus omnes" notgedrungen den Gegebenheiten unter. Kein Chor, kein "Orchester", nur Solostimme und drei Musici. Mirjam Striegel stimmt sein "Gaudeamus omnes in Domino" an, in dem es so wunderbar "Für die Redlichen ziemt sich der Lobpreis" heißt. Gelobt werden darf die Sopranistin denn auch tatsächlich für ihren "sölichen lieblichn gesang, von der menschen stymm wunderlich zu hören", wie der Kurfürst notierte. Vermutlich aufschreiben ließ.  Lieder die aufhorchen lassen. Nicht zuletzt, da bei einigen Stückchen dieser geistlichen Musik allem barocken Zeitgeist zum Trotz noch immer

Renaissanceträchtiges anhaftet. Ein schöner Grund, sich im Salon der Villa von diesen vergangene Klangwelten berühren zu lassen. Es sind indes keine anmutigen oder gar heiteren, denn was einst geistlicher Erbauung dienen sollte, hört sich heute seltsam entrückt an. Aber dennoch gut. Nicht nur des bisweilen kontrapunktisch klingenden Miteinanders von Stimme, Flöte und Barockposaune, sondern auch des "suesse saydtenspils" wegen. Verantwortlich dafür: John Martling und seine Theorbe. 1622 ein absolut hippes, zugleich aber auch selten gespieltes Instrument, das eigentlich erst dreißig Jahre später zur Standardausrüstung der Musiker gehörte.

Als um die damalige Jahrhundertwende ein neuer Musikstil Einzug hielt, bedurfte es solch neuer Instrumente, deren tiefes Bassregister gefragt war. Statt der leichten italienischen Laute, war nun die `mannshohe´ Theorbe am Zuge, deren Saiten über einen auffallend verlängerten Hals gezogen sind. Martling lässt sie zwar immer wieder wie eine herkömmliche Laute klingen, manchmal meint man gar eine Sitar herauszuhören. Umso überraschender ist dann die gesamte Klangbreite der Theorbe, beispielsweise beim (gemeinsam mit der Posaune) "Germinavit Radix" beziehungsweise wenn Marting wie in Ludovici Viadanaes "Veni Domine Iesu" ein verhaltenes Solo anstimmt.

Halleluja statt Tschingdada

Apropos sonderbares Instrument: Katharina Haun bringt in die geistlichen Klänge nicht nur die Flöte ein, sondern auch den Zink, dieses merkwürdig anmutende gekrümmte Blechblasinstrument, das indes - bis auf das Mundstück - überraschenderweise aus Holz beziehungsweise Elfenbein besteht, aber einen leicht metallisch klingenden Ton erzeugt.

Eine kleine Bemerkung nebenbei: Wer den Zink nicht kennt, erinnert sich vielleicht an Detlev von Liliencrons Gedicht "Die Musik kommt", das mit der Verszeile "Klingkling, bumbum und tschingdada" beginnt und in dem ein Zinkenist beim großen Bombardon mitmischt. Mit dem Konzert in der Villa Stützel hat dies freilich wenig gemein, zumal die von "Viatoribus" gespielte geistliche Musik nicht dem Bombardon frönt, sondern dem erbaulichen Halleluja. Mirjam Striegel und John Martling belegen dies als Sangesduo auf wunderbare Weise bei Giovanni Battista Cesena "O Magnum mysterium" gleich mit einem siebenfachen "Alleluja".

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war von der kommenden theatralisch-dramaturgischen Kirchenmusik noch wenig zu hören. Schlichtheit prägte die figuralen Strukturen, die von Mirjam Striegel und "Viatoribus" in eben dieser natürlichen Einfachheit wiedergegeben werden. Ganz im Sinne der lateinischen Bibeltexte, denen zu jener Zeit jedwede freie Dichtung abhold waren.  Das Quartett nutzt indes die durchaus vorhandenen Spielweisen des 16. Jahrhunderts, um Madrigale und Motetten rein vokal, in diversen instrumentalen Spielarten oder eben beides in schöner Abstimmung miteinander wiederzugeben. Immer in einer nicht alltäglichen Klangsinnlichkeit, die sich aller Schlichtheit zum Trotz ab und an doch filigraner Raffinessen zur melodischen Gestaltung bedient.

 

 

INFO

Triumph der Liebe

14. Februar 2019, 19.00 Uhr

 

"Triumph der Liebe" zum Valentinstag mit Les Abbagliati

Konzertbeginn: 19 Uhr, Einlass und Abendkasse ab 18:30 Uhr
Kartenreservierungen unter: 07361-8166777 oder unter info@villa-stuetzel.de
Kartenpreis: 29 € p.P. inkl. Aperitif

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Aalener Kulturjournal