Mirjam Striegel und Ensemble "Viatoribus"

Süddeutsche Musik des 17. Jahrhunderts

Musikalische Stile kommen und gehen mit dem jeweiligen Zeitgeist. Das ist heute so und war vor 400 Jahren nicht anders. Damals diente die Musik der Repräsentation von Macht und Reichtum. Das hieß, große Orchester, große Chöre und beeindruckende Orgelmusik sorgten für ein besonders musikalisches Erleben. Musik aus dem 17. Jahrhundert eben. Verbunden wird sie meist mit üppiger Klangfülle, mit der weltlichen Pracht des Barocks. Selbstredend gab es auch anderes, stilleres. Höfische Musik von geistlicher Natur wie sie der Deutsche Kaiser Ferdinand III. liebte. 

In den Wirren des 30jährigen Krieges erwies sich der politisch ungeschickt regierende Ferdinand indes als Förderer der Künste und Wissenschaften, war selbst höchst musikalisch. Als erster Habsburger Herrscher schrieb er Kompositionen, die Einzug in die damals populäre Lauretanische Litanei fanden.   Geistliche Musik war für ihn ein Weg zur inneren Einkehr .  Wie  beim Hymnus "Deus tuorum militum", bei dem heute glücklicherweise der Textinhalt außer Acht gelassen werden darf.  

Beste Gelegenheit dazu bot sich  in der Aalener Villa Stützel, denn nicht nur das Ensemble "Viatoribus" intonierte die feine Harmonie dieser Hymne, auch die Sopranistin Mirjam Striegel zelebrierte sie regelrecht. Ein ansprechender Auftakt zu einem kleinen Konzert mit leiser Musik aus der Barockzeit, kammermusikalisch aufbereitet und glänzend vorgetragen.

Die Sopranistin und das Ensemble entschieden sich bei diesem Konzert für Werke fast 

vergessener Komponisten, für stille Lieder und Melodien aus einer höchst verwundeten Zeit. Vielleicht mit ein Grund, warum diese Musik auch heute noch so ansprechend ist. Ganz sicher aber auch, weil Mirjam Striegels feine Sopranstimme so charmant in Dialogmit den Instrumentalisten tritt, insbesondere mit dem Zink von Katharina Haun, der Theorbe von John Martling, dem wunderbaren Cembalospiel von Adrien Pièce und überraschenderweise selbst mit der Posaune von Phillip Boyle.

Während der Zink, ein voll tönendes Holzblasinstrument, mit fast metallischer Schärfe durchaus wohltuende Kontraste zum Sopran setzt, umrankt Pièces  Cembalospiel girlandenreich und silberhell Mirjam Striegels Stimme. Ein faszinierendes Miteinander, das der Cembalist in seiner "Improvisation" zum Solostück nochmals erhöht und sich in Giovanni  Kaspergers "Toccata Seconda" wiederholt, hier allerdings als Solo für Theorbe. Wie charmant die Basslaute im 

gemeinsamen Spiel mit den anderen Instrumenten  und dem Sopran  klingt, zeigt sich blendend in Samuel Capricornus  "Adesto Musicum". Überhaupt erwies sich das kleine Konzert als ungemein harmonisch, zumal sich  Phillip Boyle bestens darauf verstand, den Klang der Posaune den kammermusikalischen (räumlich gesehen) Gegebenheiten des Stützel-Salons anzupassen. 

Nicht zu viel, nicht zu wenig, nicht zu laut, nicht zu leise - darin liegt das Geheimnis und Erfolgsrezept des Ensembles "Viatoribus", das in wohlgestalteter Harmonie ein Stückchen Barock jenseits der großen Kompositionen hörbar werden lässt. Zu verdanken ist dies allerdings auch Mirjam Striegel, die mit scheinbarer Leichtigkeit die Koloraturen meistert, nicht nur in den hohen Registern, wie  die Sopranistin in Urban Loths "Gloria in excelsis Deo" beweist.

INFO

Bereits am kommenden Sonntag (14. Januar; 19 Uhr) gibt es in der Villa Stützel (Aalen, Ulmerstr. 119) erneut Musik des Barocks. Ein "Barockes Feuerwerk" soll es nach dem Willen von Alexandra Wiedner (Violine), Emanuele Breda (Violine), Zeynep Tamay (Viola), Johannes Vogt (Theorbe), Daniela Wartenberg (Barockcello) und Alexander Strauß (Cembalo) werden.

Gespielt werden unter anderem Werke von Corelli, Biber und Bach. Das Motto des Konzerts: Die Lebensgeister im neuen Jahr mit Spielfreude und rasanten wie persönlichen Interpretationen bekannter Werke wecken. Darauf darf man gespannt sein. 

Weitere Infos und Karten unter Telefon 07361-8166777 oder eMail info@villa-stuetzel.de

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Aalener Kulturjournal