Premiere beim Theater der Stadt Aalen

Extraclub bringt Juli Zehs "203" auf die Bühne

Juli Zeh ist Juristin und Schriftstellerin. Und sie versteht sich darauf, ihrem gegenüber mutig in die Augen zu blicken, um ohne Angst vor vermeintlichen Klischees der Wahrheit ans Licht zu verhelfen. Als vor zwei Jahren ihr gesellschaftskritischer Roman "Unterleuten" erschien, kam von der Literaturkritik durchweg positive Resonanz. Bereits vor sieben Jahren verfasste sie  mit gleicher Akribie und genauer Beobachtungsgabe das Theaterstück "203", in dem sie sich ebenfalls mit Menschen und ihren Konflikten beschäftigt.

Marcus Krone, seit 2015 festes Ensemblemitglied beim Aalener Stadttheater, nahm sich nun zusammen mit Hanja Schneider Juli Zehs Vorlage gemeinsam mit den Jugendlichen des "Extraclubs" auf die Bühne zu bringen. Seit September vergangenen Jahres proben die Nachwuchsschauspieler Emely Schwab, Benice Schnee, Lina Sahlmann, Hannah Hartmann, Jasper Gerken, Merlin Seeling und Max Storer, damit die Geschichte von Daniel reibungslos wie spannend über die Bühne geht.  

Die Jugendlichen seien allesamt keine Theaterneulinge, gesteht Krone ein und erinnert an die letztjährige „Das Tierreich“-Aufführung, bei der das Septett ebenfalls mit von der Partie gewesen sei. Zu Pass sei heuer gekommen, dass mit so wenigen Akteuren deutlich effizienter geprobt werden konnte. Wobei er eingesteht, dass er aufgrund anderer Engagements sich lediglich  im November und Februar mit dem "Extraclub" habe beschäftigen können. "Dafür waren wir in den Osterferien teils bis zu  sechs Stunden täglich auf der Probebühne. Meist auch verbunden mit Einzelproben." Eine große Herausforderung für die Jugendlichen, doch auch eine erfolgreiche, wie Marcus Krone betont. Als „supergute" Erfahrung sei diese Intensivphase aufgenommen worden.  

Sind Erinnerungen Wahrheit?

Vielleicht lag es auch an Juli Zehs "203". Das Stück besitze das gewisse Etwas, ist der Regisseur überzeugt. "Etwas faszinierend Düsteres!“ Wie maßgeschneidert für die Bühne im Alten Rathaus. Diese sei allerdings schlicht und einfach gehalten, fügt Dramaturgin Hanja Schneider an. "Kein Guckkastentheater, vielmehr sitzen die Zuschauer um die Spielfläche herum.“ Darin sieht Marcus Krone einen unerlässlichen Vorzug, da so jeder einzelne das Stück aus einer anderen Perspektive erfahren könne. Die eigentliche Querverbindung zu Juli Zehs "203", geht es doch um Erinnerungen, die ihrerseits mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben müssen. Eigene Erfahrungen belegen schließlich am besten, dass der Mensch sich sein Leben wie eine Geschichte erzählt, mit sich selbst als Hauptfigur.

Auf der Bühne beginnt diese Geschichte mittendrin: Daniel erwacht aus tiefem Schlaf und findet sich in dem ihm unbekannten Raum 203 wieder. Jemand behauptet, er heiße nicht Daniel sondern Thomas und die anderen im Zimmer seien seine Familie. Noch obskurer wird das Ganze durch eine scheinbar konfliktgeladene Vergangenheit, die nach und nach enthüllt wird. Ein Albtraum? Wahrheit oder Täuschung? Beklemmend real sind jedenfalls die mysteriösen Frauen, die den Raum 203 bewachen und von einem mörderischen System erzählen.

Anklänge von Überwachung,  Kontrolle und Ausgeliefertsein? Marcus Krone und Hanja Schneider wollen nicht allzu viel verraten.  Wer wissen will, was hinter  der Geschichte steckt, muss am Sonntag (15.04.) zur Aufführung ins Alte Rathaus. Am Donnerstag (19.04) steht das Stück erneut auf dem Spielplan. Die Premiere am kommenden Samstag ist bereits ausverkauft.

 

Weitere Infos unter www.theateraalen.de

 

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Aalener Kulturjournal