wortgewaltig 2020 - Zwölf Mal in der Tradition Schubarts

Aalens Kulturfrühling kann kommen

Soviel Kultur wie gegenwärtig stattfindet und künftig stattfinden werde, habe es noch nie in Aalen gegeben, ist sich Oberbürgermeister Thilo Rentschler sicher, um als als Beleg herausragender Beispiele aus dem zu Ende gehenden Jahr 2019 zu nennen. Das letzte Kulturbahnhof freie Jahr, bevor Mitte 2020 der Startschuss zu eben diesem fällt.. Zum letzten Mal wird die noch recht junge Reihe "wortgewaltig" außerhalb des künftigen Kulturbahnhofs stattfinden.

Das Format bietet  zwischen der alle zwei Jahre stattfindenden Schubart-Literaturpreis-Vergabe eine kritische Kulturbetrachtung im Geiste des deutschen Dichters, Musikers, Komponisten und Journalisten Christian Friedrich Daniel Schubart. Und zwar Kultur in allen Variationen. Zwölf hochkarätige Veranstaltungen stünden im neuen Programm, so OB Rentschler. Damit reihe sich „wortgewaltig“ bestens in die Aalener Kulturtradition ein, zumal sich hier ausgewählte Künstlerinnen und Künstler zu Wort meldeten.

 Seit 2015 haben Persönlichkeiten wie Heiner Geißler, Eva Mattes, Gerhard Polt, Harald Martenstein oder Nora Gomringer, um nur einige zu nennen, zum Profil der Reihe beigetragen.In einer Pressemitteilung geht das Aalener Kulturamt auf die einzelnen Veranstaltungen ein:

Widerspruchsgeist der Schwaben

Vincent Klink (1. März)

Vincent Klink, ein Kind der Region Ostwürttemberg, macht den Anfang. Der Sterne- und Fernsehkoch ist selbst ein Talent schubartscher Prägung: Literat, Musiker, trefflicher Fabulierer und genauer Beobachter. Er beschäftigt sich am 1. März um 17 Uhr in der Aalener Stadthalle mit dem „Widerspruchsgeist der Schwaben“. Frei und ohne Folgen dürfen wir unsere Meinung sagen. Wir verdanken die Segnungen der Demokratie der Energie und dem Widerstand, den unsere Vorfahren der Willkür der Könige, um nicht zu sagen den Diktatoren entgegenstellten.

Den Schwaben kommt dabei eine besondere Rolle zu. Vincent Klinks Betrachtungen reichen von Jerg Ratgeb über Friedrich Schiller bis zu Georg Elser. Christian Friedrich Daniel Schubart ist Klinks persönlicher Held. Nach gelungener Flucht durch Hinterhalt eingefangen, erlitt Schubart auf dem Hohenasperg eine grauenvolle Zeit. Mit diesen Beispielen ruft Vincent Klink zu mehr Dankbarkeit gegenüben unserem heutigen Vollkasko-Wohlstand auf: „Wir leben in Freiheit, in einer der besten aller Welten, auch durch den Widerstandswillen der Schwaben. Wer es so weit gebracht hat, kommt allerdings um Zukunftsängste nur schwer herum.“

Und natürlich geht es bei dem schwäbischen Multitalent immer auch um die gute Küche. Denn Hungersnöten und mageren Jahren verdanken wir die unglaubliche Kreativität der schwäbischen Kochkunst.

Literatur und Film

Karen Köhler (19.April)

Im Literaturtreff der Stadtbibliothek stellt deren Leiter, Michael Steffel am 3. März um 17 Uhr den Debütroman „Miroloi“ von Karen Köhler vor. Eine gute Vorbereitung für den Besuch der Schriftstellerin. Köhler liest am 19. April um 17 Uhr im Aalener Rathaus aus „Miroloi“.

Bachmann & Celan (4.März)

Ein weiteres literarisch-poetisches Thema steuert das Kino am Kocher am 4. März bei. Zu sehen ist der österreichische Film „Die Geträumten“. Er bezieht sich auf den Briefwechsel zwischen der Lyrikerin Ingeborg Bachmann und Paul Celan. In einer essayistisch-experimentellen Annäherung tragen die Musikerin Anja Plaschg und der Schauspieler Laurence Rupp im Wiener Funkhaus aus der Korrespondenz vor. Film ab um 20 Uhr.

Wut, Widerstand und Zärtlichkeit  

Konstantin Wecker (6.März)

Konstantin Wecker, der sensible, poetische wie wortgewaltige Liedermacher ist am 6. März um 20 Uhr zu Gast in der Aalener Stadthalle. Mit Fany Kammerlander (Cello) und Jo Barnikel (Klavier) setzt das Trio zu einem musikalisch-poetischen Liebesflug der ganz besonderen Art an. Dieses Bühnenprogramm ist geprägt von Wut und Zärtlichkeit, Mystik und Widerstand und immer auch von der Suche nach dem Wunderbaren. Eine Suche, die Mut und Hoffnung macht. Denn das Trio ist sicher: es kann durchaus eine Welt ohne Grenzen geben.

Volker Hagedorn (8. März)

 In Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde liest Volker Hagedorn, Musiker und Journalist am 8. März um 18 Uhr in der Aalener Stadtkirchen aus seinem Werk „Bachs Welt. Die Familiengeschichte eines Genies“.

Dabei entwirft er ein facettenreiches Zeitgemälde, das die Wurzeln des Musikers Bach lebendig werden lässt. Es erzählt die Geschichte einer weitverzweigten Musikerfamilie in einem Europa des Umbruchs, das geprägt war von Kriegen und Seuchen. Er beschreibt das Leben und Wirken des Ausnahmemusikers Johann Sebastian Bachs und erzählt auch von Bachs Welt in der Gegenwart. Es ist einer der faszinierendsten Forschungskrimis der Musikgeschichte.

Dazu lassen Gero Wittich (Viola), Iris Mack (Violoncello) und Thomas Haller (Cembalo) Musik Bachs erklingen.

„Lasst uns lachend Eseln bohren!“  

Willy Astor (19. März)

 Auch im Kleinkunst-Treff Aalen kommt 2020 ein wortgewaltiger, spachverliebter Kabarettist zu Wort. „Jäger des verlorenen Satzes“ heißt das Programm von Willy Astor am 19. März um 20 Uhr in der Aalener Stadthalle. Deutschlands wahrscheinlich berühmtester Verb-Brecher, Silbenfischer und Vers-Sager, wie er sich gerne nennt, stellt seine neuen Kreationen aus dem Flunkerbunker vor. Mit „Reim Time“ surft Willy Astor munter weiter auf der Schalk-Welle. Shakespeares Hamlet erfährt eine gastronomische Wiedergeburt in: „Omlett - ein Rührstück mit Eggschn“.

Junge und Junggebliebene lassen sich von diesem Unfug-Unternehmer im kindischen Ozean beschelmen. Astor ist ein Reimer, Sänger und Gitarrist, der seine Kunst als Handwerk begreift.

Ena Lindenbauer und Eckhard Froeschlin (24. März)

„Lasst uns lachend Eseln bohren!“ Wie bitte? Soll heißen? Diesem Schubartzitat folgen augenzwinkernd Ena Lindenbauer und Eckhard Froeschlin in ihrem Künstlerbuch mit Schubart-Texten und Original- Radierungen.

Es sind vor allem federblitzende Fundstücke aus der „Teutschen Chronik“ und weniger bekannte Texte, die sich hier finden. Vorgestellt wird das Künstlerbuch am 24. März um 19 Uhr im Rathaus Aalen.

Über Heimat und falsches Zeugnis reden

Muhterem Aras und Hermann Bausinger(30. März)

Heimat – ein schillernder, vielschichtiger Begriff, wie ihn z.B. die Schubart-Förderpreisträgerin Nora Krug 2019 in ihrem gleichnamigen Buch beschreibt. Anders nähern sich Muhterem Aras, baden-württembergische Landtagspräsidentin, und Hermann Bausinger, emeritierter Professor für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen dem umstrittenen Begriff. Sie diskutieren über die Bedeutung von Heimat in einer Gesellschaft der Vielfalt. Sie sprechen über Akzeptanz und Gefühle, über Verschiedenheiten und Zugehörigkeiten, über die Bedeutung des Grundgesetzes als Fundament, über Demokratie und Parlamentarismus – und über Zusammenhalt. Das Gespräch findet am 30. März um 20 Uhr im Rathaus Aalen statt.

Prof. Bernhard Pörksen (1. April)

Bei Schubart, Herausgeber der „Teutschen Chronik“ darf auch der Journalismus nicht fehlen. Den Bogen in die Gegenwart der Medien schlägt am 1. April Prof. Bernhard Pörksen. Sein Vortrag handelt von Fakt und Fake, von der Macht der Desinformation im digitalen Zeitalter. Wie entstehen Meinungen in einer vernetzten, hochgradig nervösen Welt? Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, analysiert anschaulich und konkret die Erregungsmuster des digitalen Zeitalters und zeigt, wie sich unsere Idee von Wahrheit, die Dynamik von Enthüllungen, der Charakter von Debatten und die Vorstellung von Autorität und Macht unter den aktuellen Medienbedingungen verändern.

Die Veranstaltung im Rathaus Aalen beginnt um 19 Uhr.

Ja - ich sehne mich nach dir.

Christian Brückner (26. April)

Man nennt ihn auch „the voice“. Die Stimme von Christian Brückner ist seit Jahrzehnten durch Hörfunk, Lesungen, Hörbücher und als Synchronstimme u.a. von Robert de Niro bekannt. Am 26. April, 19 Uhr, ist Christian Brückner gemeinsam mit Elbtonal Percussion zu Gast in der Aalener Stadthalle. Auf dem Programm eine Lesung mit Konzert „Moby Dick oder der Wal“. Die Vorstellung lässt den Klassiker der Weltliteratur lebendig werden. Musikalisch bebildert  Elbtonal Percussion die Geschichte von Kapitän Ahab und seiner Jagd auf den weißen Wal. Perkussive und spannungsgeladene Elemente stehen musikalischem Minimalismus gegenüber, der den Stillstand und die Ödnis auf dem Meer vergegenwärtigt – und die lähmende Skepsis der Mannschaft ihrem Kapitän gegenüber, der lange Zeit nur auf nächtlichen Spaziergängen durch das Klopfen sein Holzbeins wahrzunehmen ist.

Lyrischer Spaztiergang (29.April)

Zum Abschluss von wortgewaltig 2020 laden Natascha Euteneier und Ermelinde Wudy am 29. April um 18 Uhr zu einem ihrer beliebten lyrischen Spaziergänge auf den St. Johann-Friedhof ein. Das Thema lautet „Sehnsucht“.

„Ja ich sehne mich nach dir…,“ so beginnt ein Gedicht von Rilke. Sehnsucht beschreibt ein heftiges Verlangen. Hoffend richtet es sich auf einen bestimmten Menschen, besondere Zeiten oder glückliche Zustände. Es ist ein Sehnen nach etwas, das nicht erreicht wird. Darin kann eine ebenso schöpferische wie auch zerstörerische Kraft liegen. Besonders die Lyrik ist reich an vielfältigen Spielarten dieses besonderen Gefühls.

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Aalener Kulturjournal